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Tora

Tora

Tora (hebr. תורה; etymologisch hebr.: jarah = unterweisen, kausat.; andere Schreibweisen: Torah, Thora) bedeutet Lehre, Belehrung, Unterricht, Anweisung. Die Tora ist ein Teil des jüdischen Tanach (der weitestgehend dem Alten Testament der christlichen Bibel entspricht).

Die schriftliche Tora

Bibel Bibel Die Tora besteht aus fünf einzelnen Büchern (im Christentum die fünf Bücher Mose oder im Griechischen Pentateuch genannt), die im Hebräischen nach dem ersten Wort im Buch benannt sind:

Begriffsbestimmung

Das hebräische Wort hat mehrere, verschieden weite Bedeutungen. Die engste bezeichnet die fünf Bücher Mose, die das Volk Israel laut dessen Überlieferung am Berg Sinai erhielt (siehe auch Pentateuch). Juden reden nicht vom Alten Testament, da dies ein Neues Testament voraussetzte, das es im Judentum nicht gibt; es gibt im Judentum in diesem Sinne also nur ein Testament.

Die Schriftrolle

Im Zusammenhang damit ist mit „Tora“ oft die Torarolle gemeint. Dies ist eine große Rolle aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben (ohne Vokale) von Hand aufgeschrieben sind. Torarollen werden im allgemeinen in der Synagoge aufbewahrt. In Gottesdiensten, vor allem am Shabbat, aber auch an Feiertagen, wird aus dieser Torarolle in der Synagoge „gelesen“. Im allgemeinen wird der Text dabei nicht gesprochen, sondern gesungen. Sinn dieser 2000jährigen Tradition ist, das jüdische Volk mit dem Text der Tora vertraut zu machen. Eine für den öffentlichen Gottesdienstgebrauch vorgesehene Tora wird grundsätzlich per Hand von einem Sofer, einem speziell dafür ausgebildeten Schreiber, geschrieben. Bei guter Aufbewahrung kann eine Torarolle mehrere hundert Jahre „leben“, das heißt unbeschädigt und damit rituell brauchbar bleiben. Die älteste existierende Torarolle stammt von etwa 900 n.Chr., das heißt 1500 Jahre, nachdem die Endfassung der Tora geschrieben worden war. Torarollen, die mechanisch oder durch Abnutzung oder hohes Alter beschädigt und somit unbrauchbar geworden sind, werden aus Respekt nicht weggeworfen, sondern in einer Genisa aufbewahrt oder auf einem jüdischen Friedhof begraben. Zum Toraschmuck gehören Mappa (Tuch), Me'il (Mantel), Tass (Schild), Jad (Stab) und Kether (Krone) oder je nach Anlass ein spezieller Aufsatz, Rimonim (Granatapfel) genannt.

Die mündliche Tora

Laut traditioneller jüdischer Überlieferung erhielt Israel über Mose jedoch nicht nur diese Schriften (die schriftliche Thora), sondern auch deren mündlich überlieferte Ausdeutung, die den Schlüssel für das Verständnis der schriftlichen Tora liefere. Diese wurde von den Propheten (Neviim) und den weiteren Lehrern des Volkes mündlich überliefert. Schließlich wurden sie von Rabbinern als Mischna und als Gemara, das heißt zusammen als Talmud niedergeschrieben. Die Mischna wurde um das Jahr 200 n.Chr. in schriftlicher Form fixiert, die Gemara bis zum 6. Jahrhundert. Während im Pentateuch neben den erzählenden Teilen 613 Ge- und Verbote aufgelistet werden, werden in der Mischna und der Gemara diese Vorschriften konkretisiert und teilweise faktisch verändert.

Die hebräische Bibel

Eine weitere Bedeutung bezeichnet die gesamte jüdische Bibel (Tanach), also die Tora im engeren Sinne, die Neviim (Prophetenbücher) und die Ketubim (Schriften).

Bedeutung der Tora

Die Tora ist seit mehr als 3500 Jahren mit seinem klaren Monotheismus, seiner Rechts- und Philosophiegeschichte, seiner Mystik und vor allem seinem hohen ethischen Gehalt ein wesentliches Element des Judentums. Mit dem Judentum in der Diaspora, aber vor allem mit dem Christentum und der Ekklesia (griechisch; deutsch: Kirche) wurde die Tora prägend für das westliche Abendland und prägte den Islam, durch das, was die Tora tatsächlich oder vermeintlich zu sagen hat, und in der Betrachtung, durch das, was man annahm, was sie zu sagen habe. Für das Judentum ist die Tora wichtiger Hintergrund für das Verständnis seiner Vergangenheit als Volk und als Zivilisation.

Fundamentalismus - wörtliches Bibelverständnis

Die orthodoxe und besonders die fundamentalistische Tradition innerhalb des Judentums betrachtet die Tora als Gotteswort, das Mosche am Berg Sinai von Gott selbst gegeben wurde. Es wird in einigen orthodoxen Kreisen durchaus eingeräumt, dass sich in der Tradierung des Gotteswortes hier und da einige Schreibfehler eingeschlichen haben könnten, das fechte die Tatsache, dass die Tora das Wort Gottes sei, jedoch nicht an. So ist dem orthodoxen bis fundamentalistischen Standpunkt ein Satz wie "Da erschuf Gott den Menschen in seinem Ebenbilde ..." (Gen 1,28) eine Tatsache, da das Wort Gottes per definitionem die Wahrheit selbst ist. Dies impliziert auch, dass jedes Wort der Tora einen Sinn haben muss, da kein Buchstabe Gottes Wortes überflüssig sein könne. Wo die modernen Wissenschaften mit dem Tanach in Widerspruch stünden, werde sich einmal zeigen, dass die modernen Wissenschaften irrten oder wir die Bibel nicht sachgemäß verstünden.

Progressives Bibelverständnis

Bereits von den jüdischen Weisen der Antike weiß man, dass sie die Tora nicht wörtlich nahmen, obschon sie die Tora als von Gott geschrieben ansahen. Die Weisen erkannten, dass der Tanach (die jüdische Bibel) und alles andere, was ihnen überliefert worden war, zahlreiche subtile Metaphern, Wortspiele und Anspielungen enthält, und dass er verschiedene literarische Mittel und Poesie benutzt, die einer eindimensionalen Herangehensweise entgegenstehen. Die Weisen sahen es als legitim an, der Tora zu widersprechen. Das grundlegend Unterscheidende zwischen orthodoxem Judentum und progressivem Judentum ist das Verständnis der Offenbarung. Das nicht-orthodoxe Judentum sieht die Offenbarung in der Tora nicht als absolut und unveränderbar, sondern als einen fortschreitenden Dialog des Volkes Gottes mit seinem Gott. Die jüdische progressive Zivilisation ist in der Zeit von Menschenrechten, demokratischen Entscheidungen und Naturwissenschaften vor allem um die Observanz (das bedeutet Einhaltung) der Moralgesetze bemüht. Sie glaubt nicht, dass der Tanach, die Tora das unabänderliche Wort Gottes ist, aber dass diese im Kern göttlich inspiriert sind. Die Offenbarung ist ein fortschreitender Prozess. Gott offenbart die Inhalte seines Willens und seiner Gebote jeder Generation neu. Diese Haltung macht es möglich, die tradierte jüdische Rechtspraxis dort zu ändern, wo sie nach progressiver Auffassung den ethischen Normen des Judentums nicht mehr entspricht. Dazu zählen bestimmte Regeln in Bezug auf Scheidung, Mamser (d.h. ein aus einer inzestuösen oder ehebrecherischen Beziehung stammendes Kind), Kohanim (Priester), Homosexuelle etc. und vor allem die volle religiöse Gleichberechtigung von Frauen. Im progressiven Judentum wird die Ausführung der Mitzwot angepasst und in die verantwortliche Entscheidung des Einzelnen gestellt. Das progressive Judentum bestimmt für sich jedoch Teile der Tradition, die immerwährende Bedeutung haben, getrennt von solchen, die einem, sich in der jüdischen Zivilisation wandelnden Weltbild folgend, zeitbedingt und relativ sind. Wertelemente der jüdischen Tradition und des Judentums von Dauer sind der Schabbat, das Streben nach Gerechtigkeit und die Heiligkeit des Lebens. Zeitbezügliche, relative Wertelemente sind zum Beispiel das Tempelopfer und die unbedingte Macht des Mannes über seine Frau (als juristische Sache). Heute wird die Tora von der Mehrheit der Juden in moderner Weise, mit Hilfe erkenntnistheoretischer Kriterien gedeutet. Das Gewissen, die Vernunft, ethische Überlegungen, Erkenntnisse der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften beschränken die Bedeutung und die Auswirkung der Beispiele, Gebote und Verbote des Tanach, der Tora.

Die fünf Bücher Mose im Christentum

Das Alte Testament (AT) ist dreigegliedert, wie der Tanach. Der Pentateuch eröffnet die christliche Bibel, wie den Tanach. Dabei bildet die Tora jedoch keine eigene Einheit, sondern ist meist mit den vorderen Propheten (Josua, Richter, Samuel, Könige) und den Büchern Ruth, Chronik, Esra, Nehemia und Ester als Gruppe der Geschichtsbücher sortiert. Die katholische Kirche zählt zu den Geschichtsbüchern noch die Bücher Tobit und Judith, die nicht Teil der hebräischen Bibel sind. In anderer Reihenfolge bezüglich des Tanach folgen im AT die Schriften (Ketubim) und dann nur die hinteren Propheten (Nebiim). Mit der abweichenden Sortierung gehen im Christentum Abweichungen des Verständnisses des Pentateuch einher. Die fünf Bücher Mose werden nicht mehr als Lehre, Gesetz gelesen, sondern als Geschichtsbücher. Es stehen im Christentum nicht mehr die Lehren und Gesetze im Vordergrund, sondern die Verheißungen - besonders die Abraham-Verheißung - und die Erzählungen von Gottes geschichtlichem Handeln. Durch das Neue Testament, insbesondere der Bergpredigt, sind von den Lehren und Gesetzen der fünf Bücher Mose besonders die Zehn Gebote von großer Wichtigkeit.

Die schriftliche Tora im Islam

In seiner Grundhaltung und Weltanschauung verweist der Islam auf das Erbe der Propheten und auf den klaren Monotheismus Abrahams. Judentum und Christentum gelten dem Islam als Schwesterreligionen. Aus verschiedenen Suren des Korans (Sura 2,5 - Sura 5,45ff. - Sura 6,75-80 - Sura 21,52-69 - Sura 20,42ff. u.a.) ist den gläubigen Muslimen geläufig, das der Qur`an (Koran) Wurzeln in der Tora hat. Toleranz und Aufruf zur Verständigung gegenüber dem Judentum ist ebenso im Qur`an verpfropft: ("Sprich: Ihr Leute der Schrift, kommt her auf ein Wort, das gleich ist zwischen uns und euch, dass wir niemandem dienen außer Gott und Ihm nichts beigesellen, und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen an Gottes statt ..." Sura 3,65 - "... Gott ist unser Herr und euer Herr. Wir sind für unser Handeln verantwortlich, und ihr seid für euer Handeln verantwortlich. Kein Streit ist zwischen uns und euch. Gott wird uns zusammenführen, und zu Ihm ist die Heimkehr." Sura 42,14-16). - Anders ist dies im Neuen Testament, in dem der Antisemitismus bzw. der Antijudaismus geradezu angelegt zu sein scheint (verstockt). Insgesamt sind die Gemeinsamkeiten des Korans mit der Tora größer als die mit dem Neuen Testament der Christen. Obwohl die Tora wie auch das Evangelium im Koran oft positiv erwähnt werden, werden sie von Muslimen jedoch kaum studiert. Viele Muslime glauben, dass die Tora und das Evangelium, so wie sie heute existieren, gegenüber den im Koran gemeinten Originalen verfälscht sind und deshalb ihre Lektüre von Muslimen vermieden werden sollten. Die Aussage, dass der Koran Wurzeln in der Tora hat, ist eine nichtmuslimische Interpretation der Ähnlichkeiten zwischen Kur'an und Tora. Aus der Sicht eines Moslems ist der Grund für die Ähnlichkeiten, dass in der Tora trotz Veränderungen im Laufe der Zeit durch menschlichen Einfluss immer noch Elemente der ursprünglichen göttlichen Offenbarung enthalten und somit in der letzten Offenbarung Allahs (dem Qur'an) wiederzufinden sind.

Siehe auch


- Talmud, Tanach
- Portal:Religion, Portal:Bibel, Portal:Judentum

Literatur

Hanna Liss, in Zusammenarbeit mit Annette M. Böckler und Bruno Landthaler: TANACH - Lehrbuch der jüdischen Bibel. Heidelberg 2005.

Weblinks


- [http://jcrelations.net/de/?id=846 „Auge für Auge“] - nicht „Auge um Auge“ ! Kategorie:Judentum Kategorie:Literarisches Werk ja:モーセ五書 ms:Taurat

Hebräische Sprache

Hebräisch gehört zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Die heilige Schrift der Juden, die Torah, wurde vor Tausenden von Jahren in dieser Sprache kodifiziert und den folgenden Generationen weitergegeben. Nach der Zerstörung des Ersten Tempels zu Jerusalem durch Nebukadnezar II. im Jahre 586 v. Chr. und dem darauffolgenden babylonischen Exil kam die dortige Amtssprache Aramäisch unter den Juden in Umlauf; späte Teile der Bibel enthalten deshalb aramäische Bestandteile. Auch die Muttersprache von Jesus von Nazaret war möglicherweise Aramäisch. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels zu Jerusalem im Jahre 70 verlagerte sich das Zentrum jüdischer Siedlung von Judäa nach Galiläa. Damit verbunden nahm auch das hebräischsprachige Element in der Bevölkerung ab. Etwa ab dem Jahre 200 hörte Hebräisch auf, als Muttersprache zu fungieren. Es blieb indessen eine Sakralsprache, wurde jedoch nie ausschließlich zu liturgischen Zwecken benutzt, sondern stets auch zur Abfassung von philosophischen, medizinischen, juristischen und poetischen Texten, so dass sich das Vokabular im Laufe der Jahrhunderte erweitern konnte. Es ist ebenfalls bezeugt, dass sich die verstreuten jüdischen Gemeinden zur Verständigung untereinander des Hebräischen bedienten. Die Erneuerung des Hebräischen als Muttersprache begann im späten 19. Jahrhundert. Trotz der jahrtausendelangen Entwicklung sind die Unterschiede zwischen Althebräisch und Neuhebräisch viel weniger bedeutend als zum Beispiel zwischen Altgriechisch und Neugriechisch (siehe griechische Sprache). In Israel wird gar nicht zwischen Alt- und Neuhebräisch unterschieden, in beiden Fällen ist von "Iwrit" die Rede. Von David Ben Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten des neuzeitlichen Staates Israel, ist der Ausspruch überliefert: "Wenn Moses heute zurückkäme und um ein Stück Brot bitten würde, würde man ihn verstehen."

Geschichte

Man unterscheidet drei Entwicklungsstufen: Alt-, Mittel- und Neuhebräisch.

Frühgeschichte

Der Gezer-Kalender stammt aus dem Jahre 925 v. Chr., das heißt aus der Amtszeit des Königs Salomo, und gilt als die bisher älteste bekannte hebräische Inschrift. Es handelt sich um einen landwirtschaftlichen Kalender aus sieben horizontal geschriebenen Zeilen und einer achten vertikalen Zeile, in denen das phönizische Alphabet verwendet wird. Das berühmteste Werk in hebräischer Sprache ist die jüdische Bibel, der Tanach (im christlichen Sprachgebrauch Altes Testament genannt). Die genauen Daten ihrer Abfassung sind umstritten (siehe dazu Bibelkritik). Die ältesten Exemplare von biblischen Texten wurden 1947 in Qumran gefunden und stammen aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem späten 1. Jahrhundert n. Chr.

Spätere Geschichte

Die Juden im Perserreich benutzten Aramäisch, das für die folgenden 700 Jahre zur Umgangssprache wurde und vor allem in der Bibelübersetzung Targum und in Teilen des Talmuds literarisch verwendet wurde. Aramäisch gehört ebenfalls zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen und ist somit dem Hebräischen sehr nahe verwandt. In der mittelhebräischen Phase wurden zahlreiche aramäische Ausdrücke und Redewendungen ins Hebräische übernommen, vor allem aber das aramäische Alphabet, das als Quadratschrift bis heute in Gebrauch ist. Während etwa zwei Jahrtausenden war Hebräisch keine gesprochene Sprache. In der traditionellen jüdischen Ausbildung, beginnend im Cheder und fortgesetzt in den Talmud-Hochschulen, wurde jedoch viel Zeit darauf verwendet, um Torah, Mischna, Gemara und rabbinische Kommentare im Original lesen zu können. Der wichtigste Beitrag zur Erhaltung des traditionellen Hebräisch stammt von den Masoreten, die vom 7. bis zum 10. nachchristlichen Jahrhundert zum ursprünglich rein konsonantischen Text Vokale, Akzente und so genannte Teamim hinzufügten, das heißt Angaben zum liturgischen Gesang im Gottesdienst. In der Biblia Hebraica Stuttgartensia ist der masoretische Text abgedruckt.

Hebräische Schrift

Siehe dazu den Artikel Hebräisches Alphabet sowie die Einträge unter den einzelnen Buchstaben, beginnend mit Aleph.

Grammatik

Hauptartikel: Hebräische Grammatik In der hebräischen Grammatik werden zur Unterscheidung von Subjekt und Objekt keine Fälle verwendet, sondern Präpositionen. Flexion spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Bildung und Ableitung von Verben, Substantiven, der Genitivkonstruktion Status constructus, der auf Hebräisch Smichut ("Stützung") genannt wird, und dem Besitzverhältnis. Beispiele für Smichut: báyit = Haus; lechem = Brot; béit lechem = Haus des Brotes (Bethlehem). In der Smichut steht der Artikel, im Gegensatz zu den Indogermanischen Sprachen, vor dem Objekt: aliyá = Einwanderung; nó`ar = Jugend; aliyát hanó`ar = die Einwanderung von Jugendlichen. Das Besitzverhältnis kann auf hebräisch durch eine Kurzform und eine längere Form wiedergegeben werden. Die Kurzform besteht in der Anhängung einer persönlichen Nachsilbe, die längere Form durch Ableitungen der Präposition schel ("von"). Beispiel: Sohn = ben mein Sohn = bni bzw. habén schelí (wörtlich "der Sohn von mir"). Dass die Hebräische Schrift eine Konsonantenschrift ist, kommt nicht von ungefähr: in der hebräischen Sprache besteht ein Wortstamm nur aus Konsonanten. Die verschiedenen abgeleiteten Formen entstehen durch Hinzufügung unterschiedlicher Vokale sowie mit Hilfe von Vor- und Nachsilben. Zum Beispiel: der Wortstamm G-N-W bezeichnet die Idee des Stehlens. Daraus werden unter anderem folgende Wörter abgeleitet: ganáw = Dieb; daraus abgeleitet das deutsche Wort "Ganove" (aní) gonéw = (ich) stehle gniwá = Diebstahl Zum Thema Wortstamm siehe außerdem den Abschnitt "Grammar" im englischen Artikel über die semitischen Sprachen, :en:Semitic languages. Die hebräische Sprache kennt zwei grammatikalische Geschlechter bzw. Genera: männlich und weiblich. Weibliche Substantive und Namen enden meistens mit a oder th, das entspricht jeweils den hebräischen Buchstaben "He" bzw. "Taw". Beispiel: Judith, `Ivrith. Es gibt jedoch auch einige Ausnahmen, beispielsweise endet das Wort "lájla" (Nacht) mit dem Buchstaben "He" und ist trotzdem männlich. Betont wird meistens die letzte Silbe, in einigen Fällen auch die vorletzte Silbe. Hebräische Substantive und Adjektive können mit dem bestimmten Artikel "ha" definiert werden. Unbestimmte Substantive bzw. Adjektive tragen gar keinen Artikel. Der bestimmte Artikel wird zusammen mit dem zugehörigen Wort geschrieben. Beispiel: no`ar = Jugend, hano`ar = die Jugend. Hebräische Verben verfügen heute über drei Zeitformen, Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Für die Gegenwart hat jedes Verb vier Formen, wobei zwischen männlicher Einzahl, weiblicher Einzahl, männlicher Mehrzahl und weiblicher Mehrzahl unterscheiden wird. Beispiel:
dient dem Zeilenumbruch, bitte nicht entfernen
Die Grundform zur Ableitung sämtlicher Konjugationsformen ist im Hebräischen die 3. Person Singular maskulin der Vergangenheit, Beispiel katáw: er schrieb. Des weiteren verfügen die meisten Verben, mit Ausnahme von einigen Passivformen und Modalverben, über Infinitiv- sowie Imperativformen. Hebräische Verben kennen weder eine Vorvergangenheit noch ein Futur II. Dieser Mangel an zeitlichen Ausdrucksformen wird jedoch dadurch ausgeglichen, dass die jahrtausendealten Wortstämme (siehe oben) durch die Ableitung von kausativen und reflexiven Formen neu belebt werden können. Beispiele:
- lichtów: schreiben, davon abgeleitet:
  - michtáw: Brief
- lëhachtíw: "zu schreiben geben", d.h. diktieren, vorschreiben, davon abgeleitet:
  - hachtawá: Diktat
- lëhitkatéw: "einander schreiben", d.h. korrespondieren, davon abgeleitet:
  - hitkatwút: Korrespondenz

Sprachen mit starken hebräischen Einflüssen

In den Jahrhunderten der Diaspora verwendeten die Juden zahlreiche Sprachen wie Jiddisch, Jenisch, Ladino bzw. Judezmo, Karaimisch, Judäo-Arabisch und andere, die zwar nicht direkt vom Hebräischen abstammen, jedoch zahlreiche hebräische Lehnwörter aufweisen und fast stets mit dem hebräischen Alphabet notiert wurden.

Einflüsse des Hebräischen auf das Deutsche und umgekehrt

Durch die Bibelübersetzung von Martin Luther sind zahlreiche Ausdrücke und Redewendungen mit biblischem Hintergrund in die deutsche Sprache aufgenommen worden. Beispiele: sicher wie in Abrahams Schoss, Jubeljahr, Kainsmal. Vornamen hebräischen Ursprungs sind so weit verbreitet wie das Christentum: Jakob, Joseph, Joachim, Joel, Johanna, Jonas, Jonathan, Maria, Miriam, Johann, Rebekka, Samuel, Achim und viele andere. Einige hebräische Worte sind über das Jiddische in die deutsche Sprache gelangt, z.B. Tachles aus hebr. tachlit = Zweck, Sinnvolles, malochen aus melacha = Arbeit, koscher aus kascher = rein, tauglich, dufte aus tov = gut, betucht aus batuach = sicher, Stuss aus schtut = Unsinn (aus: [alt]) Aus historischen Gründen befinden sich viele Begriffe des Geschäftslebens darunter. Da den Juden im christlichen Europa jahrhundertelang kaum andere Erwerbsquellen erlaubt wurden, waren viele von ihnen im Handel oder im Geldwesen tätig. Hierher gehören die Ausdrücke Kies im Sinne von (Taschen)geld aus kis = Tasche; Pleite aus peleta = Flucht, Entkommen; Reibach aus rewach = Gewinn. In die Kriminalität abgedrängte Juden steuerten einige Worte und Redewendungen der Gaunersprache bei, z.B. Ganoven (von hebräisch ganav = Dieb). Siehe dazu auch Hebraismus. Bei der Schaffung von Ivrith zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden aus den meisten europäischen Kultursprachen verschiedene Ausdrücke übernommen. Die modernen Monatsnamen in Israel entsprechen den deutschen Bezeichnungen: Januar, Februar, März usw. Die einzige Abwandlung ergibt sich beim Monat August, der Ogust ausgesprochen wird, da die Vokalverbindung au im Hebräischen ungewöhnlich ist. Die neuhebräische Bezeichnung für Zeitung: iton lässt den deutschen Einfluss nicht auf den ersten Blick erkennen. Das Wort ist jedoch eine Ableitung von et = Zeit, genau wie im Deutschen.

Siehe auch


- Protosemitisches Alphabet
- Phönizisches Alphabet
- Hebräische Buchstaben: Aleph, Beth, Gimel usw.
- Hebräische Ziffern
- Nikud
- :Kategorie:Hebräisch

Literatur


- Metzler Lexikon Sprache, 1993
- Wilhelm Gesenius, Geschichte der hebräischen Sprache und Schrift, Olms 1973
- Umberto Eco, Die Suche nach der vollkommenen Sprache, dtv 1993 (befasst sich nur nebenbei mit der hebräischen Sprache, ist aber trotz des häufigen Gebrauchs von Fremdwörtern sehr lesenswert)
- [alt] Hans Peter Althaus, Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft, C.H.Beck 2003 Grammatiken und Wörterbücher:
- Hans Peter Stähli, Hebräische Kurzgrammatik (pädagogisch gut gemacht, sehr plausibel)
- Wilhelm Gesenius, Hebräische Grammatik, 10. Aufl. 1831 (immer noch unschlagbar tiefschürfend)
- Gesenius/Kautsch/Bergsträsser, Hebräische Grammatik, Olms 1995 (die beste und teuerste)
- Jutta Körner, Hebräische Studiengrammatik, Langenscheid 1996 (ausführlich)
- Ernst Jenni, Lehrbuch der hebräischen Sprache des alten Testamentes, 1981 (Schulbuch für Gymnasien konzipiert)
- Thomas O. Lambdin, Lehrbuch Bibel-Hebräisch 1999 (aus dem Amerikanischen)
- Rudolf Meyer: Hebräische Grammatik, Berlin 1992
- Wilhelm Gesenius: Hebräisches Handwörterbuch, Berlin 1962
- Georg Fohrer, Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament, Berlin | New York 1997
- Frank Matheus, Einführung in das Biblische Hebräisch I, Studiengrammatik, Münster 1997
- Frank Matheus, Einführung in das Biblische Hebräisch II, Studienbuch für das Gruppen- und Selbststudium, Münster 1997 Zur Sprachgeschichte: Feldhendler,Marie-Paule : Grammaire de l'hébreu israélien.Ellipses.France 2004.
- haUniversita haPetucha: Peraqim beToledot haLashon ha'Ivrit 1-11. Tel Aviv.
- Kutscher, Eduard Yechezkel: A History of the Hebrew Language. Jerusalem 1982.
- Sáenz-Badillos, Angel: A History of the Hebrew Language. Cambridge 1996.

Weblinks


- http://www.hebreu.org
- http://www.alanwood.net/unicode/hebrew.html (englisch)
- http://www.nirdagan.com/hebrew/ (englisch)
- http://www.hebraicum.de/
- http://www.faithofgod.net/davar/ DAVAR - hebrew dictionary (freeware,englisch)
- http://www.ivrit4u.org
- http://www.ivrit4u.com
- [http://www.kzu.ch/fach/as/aktuell/2000/03_schalttag/gezer_01.htm Kalender von Gezer]
- [http://www.etymologie.info/~e/_e/_e-wwdmon.html Website Etymologie]
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_hebraeisch.html Bibliographie Nachschlagwerke hebräisch]
- [http://www.mikledet.com Mikledet.com]: Mit Mikledet können Sie Hebräischen E-Mails schicken ohne eine Hebräischen Tastatur zu haben. ! Kategorie:Einzelsprache ja:ヘブライ語 ko:히브리어 simple:Hebrew language th:ภาษาฮีบรู

Judentum

Unter Judentum versteht man die Gesamtheit aus Kultur, Geschichte, Religion und Tradition des sich selbst als Volk Israel (he. am jisrael, bnei jisrael) bezeichnenden jüdischen Volkes. Mit dem Begriff können auch gezielt die jüdische Religion oder, als Gruppe, die sowohl ein Volk als auch eine Glaubensgemeinschaft darstellenden Juden (he. jehudim) angesprochen werden. Das Judentum zählt zu den Weltreligionen; Christentum und Islam haben viele ihrer Überlieferungen aus ihm übernommen.

Geschichte des jüdischen Volkes

Islam Nach der Tora, der jüdischen Bibel, beginnt die Geschichte des jüdischen Volkes mit dem Bund, den Gott mit Abraham schließt (1.Mose 12). Die jüdische Tradition sieht Abraham als den Begründer des monotheistischen Glaubens an einen einzigen, unsichtbaren Gott. Diesen Bund setzt Gott mit Abrahams Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob fort, der seit dem Ringkampf am östlichen Ufer des Flusses Jabbok (1.Mose 32) Jisrael genannt wurde. Jakob hatte zwölf Söhne, die zu den Stammvätern der Zwölf Stämme Israels (Israeliten) wurden: Ruben, Simeon, (Levi), Juda, Issaschar, Sebulon, Benjamin, Dan, Naphtali, Gad, Asser und Joseph (mit seinen Söhnen Ephraim und Manasse). Diese ziehen von Kanaan, dem heutigen Palästina bzw. Israel nach Ägypten, wo ihre Nachfahren (die Hebräer) vom Pharao versklavt werden. Aus dieser Sklaverei werden die von Mosche (Moses) angeführten Hebräer durch Gott befreit, der ihnen am Berg Sinai die (schriftliche und mündliche) Tora offenbart. Nach 40jähriger Wüstenwanderschaft siedeln sich die zwölf Volksstämme in Kanaan an. Sie bildeten nach der Bibel in ihrer Gesamtheit das Volk Israel, das erwählte Volk Gottes. Die Erwählung bedeutet dabei die Aufgabe, durch Einhaltung der Mizwot (der in der Tora festgelegten Ge- und Verbote) der Menschheit ein Beispiel für ein ethisches Leben zu geben. Obwohl das jüdische Volk an dieser Aufgabe häufig scheitert, was die späteren Propheten immer wieder beklagen, bleibt der Bund mit Gott ungebrochen. Die Bezeichnung "Juden" bedeutete ursprünglich "Judäer" und geht auf das Königreich Juda zurück, das seinen Namen wiederum von den darin lebenden Angehörigen des Stammes Juda hatte. Der Name "Judentum" bezieht sich ursprünglich nur auf diesen einen von den Stämmen Gesamtisraels. Nach der so genannten babylonischen Gefangenschaft wurden alle Bewohner der Region von den umliegenden Völkern als "Judäer" bezeichnet und damit der Name "Juden" auf alle Israeliten ausgedehnt. In der Diaspora wurde der Name "Juden" dann zu ihrer Selbstbezeichnung. Bereits in hellenistischer Zeit fanden Auswanderungsbewegungen aus Palästina statt: Das so genannte Hellenistische Judentum entstand. Spätestens seit der Zerstörung des jüdischen Staates im 1. Jhd. nach Christus und der Zerstörung Jerusalems unter Hadrian (der Jerusalem in Aelia Capitolina umbenannte) zerstreuten sich die Juden als regional greifbares und geschlossenes Volk endgültig, wobei jedoch die große Mehrheit innerhalb des Römischen Reiches siedelte. In der Spätantike und dem frühen Mittelalter verschob sich der Schwerpunkt nach Babylonien, damals Teil des Reiches der Sassaniden. Die übrigen Anhänger des Judentums verteilten sich im Hochmittelalter auch in andere Teile Europas, im Spätmittelalter, im Zuge der Pestpogrome und der Ausweisung beispielsweise aus Frankreich, besonders nach Osteuropa, ferner in die islamische Welt und im Anschluss (Vertreibung aus Spanien 1492) wieder ins heutige Palästina sowie auch in die Neue Welt. Juden wurden oft verfolgt und ghettoisiert, konnten sich stellenweise aber auch unter Beibehaltung von Glaube und Tradition als integraler Bestandteil der lokalen Gesellschaften etablieren. Siehe auch: Geschichte des jüdischen Volkes

Jüdische Religion

Die jüdische Religion basiert auf den religiösen Überlieferungen des jüdischen Volkes. Diese Überlieferungen teilen sich auf in eine schriftliche (Thora) und eine mündliche Lehre (Mischna, Talmud, Schulchan Aruch usw.). Siehe: Jüdische Religion, Jüdischer Glaube

Aktueller Kontext

Der Begriff Jude bezeichnet nach dem jüdischen Recht des rabbinischen Judentums seit der modernen Zeitrechnung einen Menschen mit einer jüdischen Mutter und jene, die rechtmäßig zum jüdischen Glauben übergetreten sind (siehe Gijur). Das Judentum ist seit Jahrtausenden häufig religiösen, ideologischen und politischen Anfeindungen und dabei Pogromen und Verfolgungen ausgesetzt. Einmalig in der Geschichte ist dagegen der Versuch der planmäßigen und quasi-industriellen Ausrottung des jüdischen Volkes durch das nationalsozialistische Deutschland. Im Jahre 1934 wurden 17 Millionen jüdische Menschen auf der Welt gezählt. Sechs Millionen davon, mehr als ein Drittel, fielen dem Holocaust zum Opfer. Dies beschleunigte nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs die Umsetzung der zionistischen Bestrebungen und führte 1948 zur internationalen Anerkennung des Staates Israel als jüdische Heimstätte. Der heutige Staat Israel, eine Demokratie nach westlichem Vorbild, begründet seine territoriale Außen- und Innenpolitik staatlich-souverän, seine Innenpolitik ist jedoch in einigen Feldern auch stark religiös geprägt. So ist eine bürgerliche Heirat in Israel nach wie vor nicht möglich, da das Familienrecht den jeweiligen Religionsgruppen unterstellt ist. Dies kann zum Beispiel bei Scheidung zu Problemen für Frauen führen, wenn sich der Ehemann weigert, der Frau den Scheidungsbrief (Get) zu überreichen. Solche Scheidungsverweigerer können zwar vom Rabbinatsgericht in Erzwingungshaft gesteckt werden, doch ohne einen Get bleibt nach traditionellem jüdischen Recht die von ihrem Mann getrennte Frau "gebunden" und kann nicht wieder heiraten. Aufgrund der besonderen Geschichte und Tradition des Judentums ist das Verständnis einer jüdischen Identität ausgeprägt, die sich auf ein gemeinsames Schicksal bezieht und nicht notwendigerweise religiös begründet wird. Viele Juden betrachten sich gleichzeitig z.B. als Briten oder US-Amerikaner, bis 1933 auch als patriotische Deutsche, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben für ihre europäische Heimat riskierten oder opferten.

Jüdische Gemeinden in der Welt

Heute gibt es etwa 14 Millionen Juden in der Welt, von denen die meisten in den USA und in Israel leben. Durch verschiedene Emigrations- und Imigragtionswellen hat sich die Verteilung der Juden in der Welt in den letzten Jahren sehr verändert. Vor 15 Jahren lebte noch ein Großteil der Juden in der ehemaligien Sowjetunion. Nach ihrer Auflösung wanderten viele Menschen nach Israel (siehe Alijah), in die USA und nach Deutschland aus. Heute leben die meisten Juden in:

Die religiösen Strömungen des Judentums der Gegenwart

In der Gegenwart können verschiedene kategorisierende Gruppierungen der Strömungen des religiösen Judentums vorgenommen werden. Dabei betreffen die Unterschiede nicht primär, aber auch die Gottesvorstellungen und den Glauben. Es werden orthodoxe und nicht-orthodoxe jüdische Strömungen unterschieden. Hierbei ist wichtig, dass für das Adjektiv nicht-orthodox synonym auch progressiv, reformiert oder liberal (wobei hier liberal nicht vom politischen Liberalismus abgeleitet ist, sondern den Schwerpunkt auf verstärkte Assimilation setzt) in einem weiteren Sinne genommen wird. Konservativ ist hingegen mit dem Begriff konservatives Judentum belegt, einer seit dem 19. Jahrhundert sich entwickelnden Strömung des Judentums, die eine Stellung zwischen Orthodoxie und dem liberalen Judentum einnimmt. Der grundlegende Unterschied zwischen orthodoxem Judentum und den nicht-orthodoxen Strömungen beginnt beim Verständnis der Offenbarung am Berg Sinai (Mosche empfängt die Tora). Das nicht-orthodoxe Judentum versteht diese Offenbarung nicht als absolut, sondern als einen progressiven (= fortschreitenden) Prozess des Dialoges Gottes mit seinem Volk, in der Zeit und in den Kulturen. Im Kontext dieser historisch-kritischen Auslegung der Offenbarung entstanden alle nicht-orthodoxen Strömungen des Judentums. Da sie alle die Entwicklung betonen, gehören diese alle zum progressiven Judentum im weitesten Sinne. Im engeren Sinne bestimmt der Begriff progressives Judentum jedoch alle Gruppen des Reform-Judentums, die sich im Verband Weltunion für progressives Judentum zusammengeschlossen haben. Zwei Drittel des religiös geprägten Judentums sind nicht zur Orthodoxie gehörend, ein Drittel zählt sich zum orthodoxen Judentum mit seinen verschiedenen Unterströmungen. Alle religiösen jüdischen Strömungen der Gegenwart haben ihren Ausgang in den Impulsen der Geistesgeschichte vor allem Deutschlands und Europas ab Ende des 18. Jahrhunderts. - Der Fokus der Entwicklung des Judentums liegt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in den USA. - Aus Deutschland sind die Beiträge zur Entwicklung jüdischen Denkens und Geistesleben nach der Shoa unbedeutend. Langsam entwickelt sich dieses aber zunehmend unter der Zuwanderung jüdischer Menschen aus der ehemaligen UdSSR, aus der Diaspora Osteuropas und Asiens. Hauptströmungen des Judentums der Gegenwart: : Orthodoxes Judentum : Liberales Judentum : Konservatives Judentum : Rekonstruktionismus Andere, kleinere religiöse Strömungen des Judentums der Gegenwart: : Ultraorthodoxes Judentum : Neoorthodoxes Judentum : Jüdische Mystik (siehe: mittelalterliche Kabbala) : Chassidismus : Jewish Renewal, oder Neo-Chassidismus Andere laizistische Strömungen des Judentums der Gegenwart: : Säkulares Judentum : Humanistisches Judentum Siehe auch: Strömungen des Judentums, Säkularismus

Aufteilung in ethnische Gruppen

In der Geschichte wurden Juden in vier größere Gruppen eingeteilt:
- Die Aschkenasim, deren Vorfahren in Deutschland oder Frankreich lebten, bevor sie nach Osteuropa und teilweise später in die USA auswanderten,
- die Sephardim, deren Vorfahren auf der iberischen Halbinsel (Spanien, Portugal) lebten,
- die orientalischen Juden (Misrachim), die im Nahen Osten und in Nordafrika lebten, aber auch nach Mittel- und Südasien wanderten (orientalische Juden werden oft auch als sephardisch bezeichnet, da ihre Traditionen weitgehend übereinstimmen) und
- die jemenitischen Juden (Teimanim), die lange von den übrigen Juden isoliert waren und dadurch eigene Riten entwickelten, aber auch alte Traditionen länger bewahrten (Hebräische Sprache,Kabbalah). Die sephardischen Juden flohen 1492 vor der spanischen Inquisition, und siedelten sich überwiegend im Mittelmeerraum, teilweise aber auch in Mittel- und Westeuropa an (z.B. in Hamburg und Altona). Ihre gemeinsame Sprache ist das Ladino, das unterschiedliche regionale Ausprägungen hat. Kleinere Gruppen sind
- die äthiopischen Juden (Eigenbezeichnung Beita Israel, andere Bezeichnung Falascha,
- die Bene Israel aus Bombay in Indien,
- die Bnei Israel (auch Shinlung in Nordostindien und Burma, sie stammen angeblich vom jüdischen Stamm der Menaseh (Manasse) ab),
- die Romanioten, griechischsprechende Juden des Balkan,
- die Tat sprechenden Bergjuden des Kaukasus (Dagestan, Aserbaidschan),
- die turksprachigen Krimtschaken auf der Krim und
- die Religionsgemeinschaft der Karaiten, die eine wesentliche Rolle bei der Bekehrung der Chasaren gehabt haben soll. Umstritten ist die Stellung
- einer afghanischen Gruppe, die auf den antiken Stamm Ephraim zurückgehen soll,
- der Lemba in Simbabwe, sowie
- der messianischen Juden (Eigenbezeichnung) oder modernen Judenchristen – zum Christentum, meist evangelikaler Prägung, konvertierte Juden, die an ihrer jüdischen Identität festhalten sowie ein paar jüdische Traditionen pflegen und hauptsächlich in den USA zu finden sind. "Messianische" Juden sind nach dem Verständnis aller anderen Strömungen des Judentums (orthodox, konservativ, liberal, reformiert) im religiösen Sinn keine Juden, da ihre Interpretation der Tradition christlich ist. Hier unterscheiden sich Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung. Die Samaritaner sind eine frühzeitige Abspaltung von den Juden im engeren Sinne, die dennoch gewollt oder ungewollt lange deren Schicksal teilten: Aufstände der Juden zogen oft auch die Samaritaner in das Geschehen ein, da die Römer Probleme hatten, diese zu unterscheiden. Wie es in Rom jüdische Synagogen gab, so gab es auch samaritanische. Heute gibt es nur noch sehr wenige Samaritaner.

Religiöse Führung

Jüdische Gemeinden werden geistlich und rechtlich von einem Rabbiner geleitet. Sephardische Juden sowie die Karäer bezeichnen ihren geistlichen Leiter auch als Chacham (Weiser). Im Jemen bei den Teimanin ist der Begriff Mori (mein Lehrer) gebräuchlich. Die Gottesdienste werden im allgemeinen von einem Kantor, Chasan, oder allgemeiner gesagt von einem Vorbeter geleitet; zu ihrer Durchführung wird ein Quorum bzw. (hebräisch) Minjan, d.h. die Versammlung zehn jüdischer Männer, benötigt. Die allgemeine, weltliche Leitung einer jüdischen Gemeinde hingegen liegt bei einem von den Gemeindemitgliedern zu wählenden Gemeindevorstand.

Historische jüdische Sekten

Fast alle Juden der Neuzeit folgen dem in Mischna und Talmud enthaltenen mündlich überlieferten Gesetz; sie werden als Rabbinisches Judentum bezeichnet. Innerhalb des rabbinischen Judentums gibt es verschiedene Richtungen, wie etwa das Orthodoxe oder das Reformjudentum.
- Die kleine Gruppe der Karäer stellt eine Abspaltung von der Mehrheit der Juden dar. Sie lehnt die in Mischna und Talmud enthaltenen Lehren ab.
- Die Samariter haben als heilige Schriften eine Version der Torah, die Memar Markah sowie eine eigene Liturgie, Gesetze und Auslegungsschriften. Ein Großteil des Tanach (jüdische Bibel) gilt ihnen nicht als inspiriert. Die Autorität von Mischna und Talmud lehnen sie ebenfalls ab. Es gibt nur noch wenige Anhänger der samaritischen Religion.

Jüdische Kultur

Die jüdische Kultur steht in starker Wechselwirkung zu den Kulturen, in denen die jeweilige jüdische Gemeinschaft ihr kulturelles Leben entfaltet, so dass sie kaum isoliert betrachtet werden kann. Dabei spielt die Religion eine unterschiedlich große Rolle. Durch die Aufsplittung des Europäischen Judentums in die Aschkenasim und Sephardim haben sich hier zwei auch durch die Sprache unterschiedene Kulturräume entwickelt. Siehe auch: Jüdisches Brauchtum, Jüdische Feste, Jüdischer Kalender, Jüdische Küche

Jüdischer Humanismus

Die Verarbeitung von Pogromerfahrungen geben den jüdischen Einflüssen in der Kultur nicht selten eine stark humanistische und egalitäre Prägung (bzw. wird hier der jüdische Einfluss am ehesten offensichtlich). Viele Künstler bekennen sich zum Judentum als Nation und begreifen sich gleichzeitig als Atheisten.

Sprache

Hebräisch ist die Sprache der ältesten jüdischen Schriften und war Umgangssprache der Juden in der antiken Periode ihrer Unabhängigkeit. Es wurde als Umgangssprache nach Jahrhunderten vom Aramäischen verdrängt, blieb aber bis in unsere Tage hinein Gottesdienstsprache, z.T. auch Gelehrtensprache. Das Aramäische ist eine zum Hebräischen sehr ähnliche Sprache, die auch das schriftliche Hebräisch späterer jüdischer Schriftwerke beeinflusst hat. Einige Passagen in den Schriften des Alten Testamentes wurden schon auf aramäisch verfasst. Jesus und seine jüdischen Landsleute sprachen aramäisch. In der Diaspora nahmen die Juden die Sprachen der Länder an, in denen sie lebten (siehe Jüdische Sprachen). Einige Sonderfälle sind Sprachen, die jüdische Gemeinschaften aus verschiedenen Gegenden der Welt übernommen haben und aufgrund der historischen Umstände zu selbständigen Sprachen (wenn man will, zu Dialekten) weiterentwickelt haben. Siehe dazu: Jiddisch (die Sprache der Aschkenasim), Ladino (oder Sephardisch) (die Sprache der Sephardim), Judeo-Berberisch (die Sprache jüdischer Berber in Marokko), Tat (auch: Judeo-Tat, die Sprache der Bergjuden des Kaukasus (Dagestan, Aserbaidschan)). Im Alltag sprechen Juden die Sprache des Landes, in dem sie leben. Das Iwrith, welches heute in Israel gesprochen wird, stellt eine gelungene Wiederbelebung des antiken Hebräisch dar, das um einen modernen Wortschatz erweitert wurde und auch in der Grammatik einige Anpassungen erfuhr. Es entwickelt sich heute im lebendigen Gebrauch weiter wie andere Sprachen auch.

Siehe auch


- Portal:Judentum
- Haskala, Haggada, Kabbalah, Schma Israel
- Israel, Israeliten, Zentralrat der Juden in Deutschland, Zionismus
- Jewish Encyclopedia,
- Kawwana, Tachles
- Proselyt, Judenmission
- Zarathustrismus, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Judenchristen
- Davidstern

Literatur


- Jonathan Magonet: Einführung ins Judentum, Jüdische Verlagsanstalt Berlin (JVB), 2003, ISBN 3-934658-43-1
- Max Dinemann: Liberales Judentum, Jüdische Verlagsanstalt Berlin (JVB), 2000, ISBN 3-934658-13-X
- Jonathan A. Romain/Walter Homolka: Progressives Judentum, Knesebeck, 1999, ISBN 3-89660-046-X
- Gilbet S. Rosenthal/Walter Homolka: Das Judentum hat viele Gesichter, Knesebeck, 1999, ISBN 3-89660-045-1
- Hans Küng: "Das Judentum", Piper Buchverlag, ISBN 3492228275
- Meyer, Hajo: Das Ende des Judentum, Neu-Isenburg 2005, ISBN 3-937389-58-X
- Paul Spiegel: "Was ist Koscher?", Ullstein 2003, ISBN 3-550-07575-8
- Arthur Herzberg: Wer ist Jude? Hanser 2000, ISBN 3-446-19760-5
- Jens J. Schreiner: Vom "Gelben Flicken" zum "Judenstern"? Genese und Applikation von Judenabzeichen im Islam und christlichen Europa (841-1941), Frankfurt am Main/Berlin/Bern u.a. : Peter Lang Verlag 2004, 169 S., 12 Tab., ISBN 3-631-52553-2
- Monika Grübel: Judentum. DuMont Buchverlag, Köln 1997, ISBN 3770134966
- Dominique Aubier Der Jüdische Fall Le Cas Juif, die ontologische Kraft der hebräischen Sprache, die jüdische spezifische Besonderheit, Verlag Mont Blanc, Genf"1970".
- Dominique Aubier Antwort auf Hitler, der jüdische Auftrag Erklärung der Shoa, Verlag Qorban, 1979. [http://www.dominique-aubier.org]

Weblinks


- aus jüdischer Sicht
  - [http://www.hagalil.com www.hagalil.com] - deutschsprachiges jüdisches Internetportal
  - [http://www.talmud.de www.talmud.de] - Jüdisches Leben in Deutschland -heute
  - [http://www.papdam.net www.papdam.net] - praktisches Judentum mit viel Hintergrundinfos, Zielgruppe: Juden
  - [http://www.jinfo.org Bedeutende jüdische Persönlichkeiten aus Naturwissenschaft, Philosophie, Musik etc.]
  - http://www.zadoq.com deutschsprachiges jüdisches Religionsportal
  - [http://www.synagoge.de/ jüdische Gemeinden in Deutschland]
  - [http://www.jewfaq.org Online-Lexikon Judaism 101 - englisch]
  - [http://www.juedisches-recht.de/ Quellen und Prinzipien des jüdischen Rechts]
- Über das Judentum aus nichtjüdischer Sicht
  - [http://www.buchklub.at/gorilla/hoffnungsreich/cybertour/judentum.htm Judentum - kurze Einführung]
  - [http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/juedische_kultur_und_geschichte.pdf Peter Ortag: Jüdische Kultur und Geschichte. Hrsg: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung. 5. Auflage 2003] ja:ユダヤ教 ko:유대교 ms:Yahudi nb:Jødedom simple:Judaism th:ยูได zh-min-nan:Iu-thài-kàu

Tanach

Der Tanach [תנ״ך] (auch: Tanakh oder Tenach) ist die Heilige Schrift der Jüdischen Religion. Sein Kanon - auch Mikra oder Miqra, [מקרא] genannt - besteht aus 24 Büchern, die drei Hauptteilen zugeordnet sind: der Tora ("Weisung"), den Neviim ("Propheten") und den Ketuvim ("Schriften").

Begriff

Das Akronym "Tanach" wird aus den Initialen der drei Hauptteile gebildet: Taw (ת), Nun (נ) und Kaph (ך). Diese Dreiteilung war schon in der Zeit des jüdischen Zweiten Tempels (530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) üblich und wird auch in den Texten der rabbinischen Literatur dokumentiert. Trotzdem wurde der Tanach damals wegen seines Gebrauchs im Gottesdienst der Synagogen Mikra ("Lesung") genannt. Heute werden beide Bezeichnungen parallel verwendet, wobei "Mikra" einen höheren formalen Charakter hat.

Geschichte

Der Tanach wurde anfangs in Althebräisch, der ersten bekannten alphabetischen Buchstabenschrift, verfasst. Vom 4. bis zum 2. vorchristlichen Jahrhundert wurde er in die neuere hebräische Quadratschrift, zum Teil auch in das Aramäische übertragen. Letztere Übersetzung heißt Targum. Als erster Hauptteil entstand die Tora bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert. Sie besteht aus den fünf Büchern des Moses, auf Griechisch auch Pentateuch ("Fünf Schriftrollen-Behälter") genannt. Ihre Anfänge fallen mit den Ursprüngen des Judentums zusammen: Die ältesten Schichten der Erzväter- und Exodus-Erzählungen in ihr werden auf etwa 1000 v. Chr. datiert. Für die etwa 150 v. Chr. vom Jerusalemer Tempelkult abgefallenen Samaritaner bildete sie die einzige Heilige Schrift. Um 250 v. Chr. wurde der Tanach in seiner damaligen Gestalt ins Griechische übersetzt und Septuaginta genannt. In dieser Form wurde der Tanach im ganzen Mittelmeerraum bekannt. Ein Großteil des Tanach war bereits seit dem Exil in Babylonien als Heilige Schrift des Judentums kanonisiert worden: vor allem die Tora und die Propheten, aber auch ein Teil der später entstandenen Schriften. Diese Vorform wurde im Raum Palästinas gut 600 Jahre lang als feste religiöse Schriftensammlung gebraucht. Sie war auch die Bibel Jesu von Nazarets und der Urchristen. Nach der Niederlage des Simon Bar Kochba im letzten jüdischen Aufstandsversuch gegen das Römische Reich wurde der Tanach 135 n. Chr. endgültig kanonisiert. Dabei wurde das Buch Daniel aufgenommen. In seiner griechischen Übersetzung wurde der Tanach dann vom Christentum übernommen und dort etwa 180 als sogenanntes Altes Testament ebenfalls kanonisiert. Der jüdische und der christliche Kanon des Tanach unterscheiden sich nur geringfügig. Bis etwa 1000 wurde der Tanach von den Masoreten vereinheitlicht. Auf ihren Kodices beruhten alle modernen "Urtext"-Ausgaben des Tanach, bis 1949 die Schriftfunde von Qumran einige Teile davon in einer auf 200 v. Chr. datierten Gestalt bekannt machten. Sie enthielten aber nur sehr wenige Abweichungen vom Masoretentext, so dass bei den über 1000jährigen Handabschriften eine große Disziplin und Texttreue angenommen werden muss. Die hebräisch-aramäische Urform des Tanach wurde erst im Zeitalter der Renaissance und der Reformation wiederentdeckt und zur Grundlage der Bibelübersetzung Martin Luthers (1534). Der samaritanische Pentateuch wurde 1616 wiederentdeckt. Er wich in etwa 6000 Fällen meist nur orthografisch vom bis dahin bekannten Masoretentext ab, stimmte aber in einem Drittel dieser Fälle mit der Septuaginta überein. Den Tanach ergänzt im Judentum eine lange mündliche und schriftliche Auslegungstradition (Halacha, Mischnah). Ihre wichtigste Sammlung ist der Talmud, der dem Tanach bis zum 5. Jahrhundert als Heilige Schrift zur Seite gestellt wurde.

Einteilung

Der Tanach setzt sich aus den Hauptteilen Tora, Nevi'im und Ketuvim zusammen: #Tora [תורה], bedeutet "Unterweisung" oder "Lehre", in einigen bestimmten umgrenzten Kontexten auch "Gesetz". Gedruckte und gebundene Ausgaben der Tora werden auch Chumasch [חומש] genannt, was kurz für "die Fünf" (Bücher Moses, also den Pentateuch) steht. #Nevi'im [נביאים], bedeutet "Propheten". Diese werden nochmals in "vordere" und "hintere" Propheten unterteilt. #Ketuvim [כתובים] (auch Chetuvim) bedeutet (heilige) "Schriften". Im anglo-amerikanischen Sprachraum ist daher auch das Akronym TaNaKh gebräuchlich. Diese Dreiteilung spiegelt nach orthodox-jüdischem Glauben einen abnehmenden Grad an Inspiration wieder: Die Tora beruht demnach auf direkter Zwiesprache des Moses mit Gott, die Nevi'im beruhen auf Prophetie, also durch Gott gesandte Träume und Visionen, die Ketuvim beruhen auf indirekter Beeinflussung der menschlichen Autoren durch den Heiligen Geist.

Die Bücher des Tanach

:Hauptartikel: Biblischer Kanon Nach der jüdischen Tradition setzt sich der Tanach aus 24 Büchern zusammen. Die Tora hat 5 Bücher, Nevi'im beinhalten 8 Bücher und die Ketuvim beinhalten 11 Bücher. Der hauptsächlich hebräische originale Text der Bücher des Tanach bestand nur aus Konsonanten zusammen mit einigen inkonsistent (=uneinheitlich) gebrauchten Buchstaben, die als Interpunktionszeichen dienten, den matres lectionis. Im sehr frühen Mittelalter codifizierten jüdische Schriftgelehrte, die Masoreten, die mündliche Tradition der Lesung des Tanach indem sie zwei wesentliche Interpunktionszeichenarten einführten: #Nikud (hebräisch: נִקּוּד), das ist ein System von Punktierungen oder Vokalzeichen, das zur Darstellung von Vokalen in der hebräischen Schriftsprache dient, und #Kantillation (hebräisch: ta`amei ha-mikra oder kurz te`amim; Jiddisch trope, was im Englischen gebräuchlich ist) bezeichnet spezielle Interpunktions-Zeichen, welche die Buchstaben und Vokalzeichen ergänzen. Einige dieser Zeichen wurden auch in den mittelalterlichen Handschriften der Mischna benutzt.

Tora

Die Tora besteht aus 5 einzelnen Büchern , die im Hebräischen nach den ersten Worten des Textes benannt sind: : Bereschit (בְּרֵאשִית) (Im Anfang schuf ...) : Schemot (שְמוֹת) (Dies sind die Namen ...) : Wajikra (וַיִּקְרָא) (Und es rief JHWH ...) : Bemidbar (בְּמִּדְבַּר) (Und es redete JHWH in der Wüste ...) : Devarim (דְּבָרִים) (Dies sind die Worte ...) Aus der Tora wird in der Synagoge im Gottesdienst am Sabbat (Samstag), Montag und Donnerstag vorgelesen.

Nevi'im

Die Nevi'im, die Prophetenbücher, entstanden nach der Tora, etwa in den Jahren 750 v. Chr. bis 500 v. Chr.. Sie werden in die frühen Propheten (Josua, Richter, Samuel, Könige), die eine frühe Geschichte des Volkes Israel darstellen, und die späten Propheten unterteilt. Die späten Propheten umfassen Jesaja, Jeremia, Ezechiel (in drei Büchern) sowie die 12 kleinen Propheten (Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi) in einem Buch.

Ketuvim

Die Ketuvim entstanden nach jüdischer Tradition in der Zeit des Babylonischen Exils. Sie werden in die poetischen Schriften (Psalmen, Buch der Sprichwörter, Ijob), die 'fünf Rollen' (Hoheslied, Rut, Klagelieder, Kohelet, Ester) und die geschichtlichen Schriften (Daniel, Esra, Nehemia, Chronik) unterteilt.

Inhalte

Der Tanach erzählt die Geschichte der Schöpfung und des Volkes Israel unter Gottes gnädiger Führung über einen Zeitraum von etwa 1300 Jahren. Er enthält verschiedenste Traditionen der einzelnen Stämme von Halbnomaden, die sich um den Glauben an den Gott JHWH im Raum des heutigen Palästinas zu einem Volk vereinten. Dazu gehören Ortsätiologien, Kultsagen, Erinnerungen an Siege und Niederlagen aller Art und Gebotssammlungen. Sie wurden von verschiedenen Autoren redaktionell zu einer Gesamtgeschichte Israels verbunden. Ein Teil dieser Gebote spiegelt längst vergangene vor-antike Lebensverhältnisse, die bis ins Einzelne geregelt waren. Wesentliche Kernbestandteile der jüdischen Tora sind jedoch in das kulturelle Erbe der Neuzeit eingegangen: Dazu gehören vor allem der Dekalog und die Menschenwürde jedes Einzelnen. Sie wird im Tanach mit der Befreiung Israels aus der in der Antike allgemein üblichen Sklaverei, die als Erwählung eines Volkes zum Segen für alle Völker verstanden wird, und der Gottebenbildlichkeit des Menschen begründet. Einige Schichten des Tanach spiegeln andere als die jahwistische Tradition: Beim Einsickern der Halbnomaden-Stämme in das Kulturland Kanaan brachte jeder Stamm seinen Sippengott mit. Diese wurden erst miteinander, dann mit der Gotteserfahrung der Hebräer aus dem Raum Ägyptens und der Sinaihalbinsel verschmolzen (Ex 3). Sie wurden zum Teil auch zusammen mit Gottheiten der Kanaanäer verehrt (Synkretismus). Während etwa die Schöpfergottheit des kanaanäischen Pantheons El problemlos mit JHWH identifiziert werden konnte (Gen 14,17f), wurden Fruchtbarkeits- und Astralgötter wie Baal, Astarte, Marduk u.a. als der eigenen Glaubensidentität fremd abgestoßen. Die einheitsstiftende Rolle des 1. Gebots - der sogenannte Monotheismus - setzte sich erst allmählich in Israel durch.

Vergleich mit dem Alten Testament

Im Christentum wird der Tanach als "Altes Testament" (AT) im Gegenüber zum Neuen Testament (NT) bezeichnet. Auch die Bücher des AT werden in drei Hauptteile eingeteilt: "Geschichtsbücher" (1. Mose bis Buch Esther), "Dichtung" (Hiob, Psalmen, Sprüche Salomos, Prediger, Hoheslied) und "Propheten". Das AT enthält einige Bücher mehr als der Tanach, wobei sich Umfang, Zuordnung und Reihenfolge der Bücher je nach christlicher Konfession unterscheiden. Hauptunterschied ist die Stellung der Propheten, die im Tanach nach der Tora stehen, im AT erst am Ende nach den übrigen Schriften. Zudem gehören im Tanach auch solche Bücher zu den Propheten, die im AT als Geschichtsbücher gelten. Darin zeigt sich bereits das unterschiedliche inhaltliche Verständnis der Heiligen Schriften im Judentum und Christentum: Für Juden ist die Geschichtserinnerung zugleich aktuelle Zukunftsverheißung. Die Tora eröffnet die Bibel in beiden Religionen. Im AT bildet sie aber keine eigene Gruppe, sondern steht mit den Büchern Josua, Richter, Samuel, Könige, Ruth, Chronik, Esra, Nehemia und Ester in einer Reihe. Damit wird der in der Tora geoffenbarte Wille Gottes in gewisser Weise zu einer Erinnerung an vergangene Geschichte. Auch die übrigen Schriften (Ketubim) sind anders zugeordnet. In der Reihenfolge der sogenannten "hinteren" Propheten (Nevi'im) stimmen beide Versionen überein. Die katholische Kirche zählt zu den Geschichtsbüchern noch die Bücher Tobit und Judith, die nicht Teil des Tanach sind. Im Christentum werden die fünf Bücher Mose also hauptsächlich als geschichtliche Zeugnisse des Volkes Israel gelesen und weniger als aktuelle Lehre oder Unterweisung. Die christlichen Kirchenväter, die einerseits die Aufnahme des AT in den christlichen Bibelkanon durchsetzten, deuteten andererseits viele prophetische Verheißungen, Psalmgebete und Schöpfungserzählungen entgegen ihrem Eigensinn allegorisch oder typologisch, um auf das Kommen Christi hinzuweisen. Die Bezeichnung "Altes Testament" geht auf die Rede vom "Alten" und "Neuen" Bund im NT zurück (Hebräerbrief). Sie wurde oft irrtümlich als Ablösung des Bundes Gottes mit Israel durch das neue Gottesvolk, die Kirche, aufgefasst, so dass "alt" als "veraltet" oder "überholt" gedeutet wurde. Damit war die theologische "Enteignung" des Judentums verbunden. Um diese traditionelle Abwertung zu vermeiden, nennen immer mehr Christen, Theologen und Kirchen den Tanach bzw. das AT heute Hebräische Bibel, Erstes Testament oder Hebräische Schriften. Damit grenzen sie sich vom christlichen Antijudaismus ab und betonen die gemeinsame Grundlage beider Religionen. Denn auch das NT verkündet den "Neuen Bund" als endgültige Bekräftigung des ersten Bundes Gottes mit seinem Volk Israel (Röm 11,2). An dieser lebendigen Beziehung des einen Gottes zu seinem erwählten Volk halten religiöse Juden und Christen gerade heute, nach der Erfahrung des Holocaust, gemeinsam fest.

Literatur


- Erich Zenger (Hrsg.): Einleitung in das Alte Testament. Kohlhammer, Stuttgart / Berlin / Köln 1995 ISBN 3170120379 Seiten 21-32
- Erich Zenger: Das Erste Testament. Die jüdische Bibel und die Christen. Patmos, Düsseldorf 1998 ISBN 3491690161
- Hanna Liss, in Zusammenarbeit mit Annette M. Böckler und Bruno Landthaler, TANACH - Lehrbuch der jüdischen Bibel, Winter-Verlag Heidelberg 2005 ISBN 3-8253-5116-5

Weblinks


- [http://www.iclnet.org/pub/resources/text/ipb-e/tanach/ipbe-tn.html Tenach] (Volltext in Hebräisch)
- [http://jcrelations.net/de/?id=846 "Auge für Auge" - nicht "Auge um Auge"] Kategorie:Bibel Kategorie:Tanach Kategorie:Heilige Schrift (Judentum)

Altes Testament

Das Alte Testament (von lat. testamentumBund“) ist die übliche christliche Bezeichnung für die ältere, jüdische Sammlung biblischer Bücher, die im Wesentlichen mit dem jüdischen Tanach identisch ist. Diese Schriftensammlung bildet heute die Heilige Schrift zweier Religionen, des Judentums und des Christentums. Auch der Islam erkennt prinzipiell die ganze Bibel und mit ihr seine beiden Vorgängerreligionen als gültiges, wenn auch von Menschen verfälschtes Offenbarungszeugnis Allahs an. Da der Tanach ursprünglich in Hebräisch abgefasst und überliefert wurde, nennt man ihn auch „Hebräische Bibel“. In der Antike haben die Christen das Alte Testament mit der griechischen Übersetzung der Hebräischen Bibel (Septuaginta) identifiziert, im Mittelalter mit der lateinischen Bibelübersetzung (Vulgata), weil diese Sprachen den Christen geläufig waren. Erst die Renaissance hat die ursprüngliche hebräische Bibel wiederentdeckt, Martin Luther hat sie durch seine Bibelübersetzung für die christlichen Kirchen eingeführt.

Inhalt und Einteilung des Tanach bzw. Alten Testaments

im Judentum

Die Heilige Schrift des Judentums trägt den Namen „Tanach“, der sich aus den Anfangsbuchstaben seiner drei Hauptteile zusammensetzt:
- Tora (Weisung, Lehre),
- Newiim (Propheten) und
- Ktuwim (Schriften). Diese Anordnung bedeutet auch eine gewisse Bedeutungshierarchie: Die Tora steht sowohl zeitlich als auch von ihrer Autorität her an der Spitze der biblischen Bücher. Sie wurde in Israel zuerst als gemeinsame Heilige Schrift anerkannt. Danach kommen die Propheten, zuletzt die Schriften. Zur Tora gehört im Judentum:
- der Pentateuch, bestehend aus den fünf Büchern Moses. Zu den Propheten zählt man dort die Bücher:
- Josua,
- Richter,
- Samuel,
- Könige,
- Jesaja,
- Jeremia,
- Ezechiel,
- die zu einem Buch zusammengefassten 12 „kleinen“ Propheten: Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi. Zu den Schriften rechnet man:
- Psalmen,
- Buch der Sprichwörter,
- Hiob (Ijob),
- Hoheslied,
- Rut,
- Klagelieder Jeremias,
- Kohelet,
- Ester,
- Daniel,
- Esra und Nehemia,
- Chronik. Der Tanach zählt demnach 24 „Bücher“. Er fasst die Bücher Samuels, der Könige, der Chronik, die 12 kleinen Propheten sowie Esra und Nehemia im Gegensatz zur christlichen Einteilung als jeweils ein Buch auf. Er rechnet einige Bücher, die für heutige Historiker Geschichtsbücher sind, zu den Propheten (z.B. Josua, Richter) oder zu den Schriften (Rut, Ester, Esra, Nehemia, Chronik). Der Tanach bildet die maßgebliche Grundlage des später von den Christen übernommenen „Alten Testaments“ und stimmt mit diesem inhaltlich weitgehend überein. Aber Anordnung und Bedeutung der Einzelschriften unterscheiden sich im Judentum und im Christentum: Darum kann der Tanach nicht mit dem Alten Testament gleichgesetzt werden. Eine chronologische Anordnung, die der historischen Entstehungszeit der Einzelschriften folgt, fiele wiederum ganz anders aus als die beider Religionen. Darin kommt bereits äußerlich zum Ausdruck, dass die biblische Geschichte, obwohl sie viele historische Informationen über den antiken vorderen Orient enthält, nicht als Tatsachenbericht aufgefasst werden will, sondern als „Wort Gottes“.

in der römisch-katholischen Kirche

Dort werden 46 Bücher zum Alten Testament gezählt, eingeteilt in - den Pentateuch:
- Genesis,
- Exodus,
- Levitikus,
- Numeri,
- Deuteronomium - Geschichtsbücher:
- Josua,
- Richter,
- Rut,
- 1. Buch Samuel,
- 2. Buch Samuel,
- 1. Buch der Könige,
- 2. Buch der Könige
- 1. Buch der Chronik,
- 2. Buch der Chronik,
- Esra,
- Nehemia,
- Tobit,
- Judith,
- Ester (mit Zusätzen gegenüber der jüdischen Version),
- 1. Buch der Makkabäer
- 2. Buch der Makkabäer - Bücher der Lehrweisheit und Psalmen:
- Ijob,
- Psalmen,
- Sprichwörter,
- Kohelet,
- Hoheslied,
- Weisheit,
- Jesus Sirach. - Prophetenbücher, nochmals unterteilt in 4 „große“ Propheten:
- Jesaja,
- Jeremia, darin eingefügt die Bücher:
  - Klagelieder Jeremias,
  - Baruch,
- Ezechiel,
- Daniel (mit Zusätzen gegenüber der jüdischen Version). - und 12 „kleine“ Propheten:
- Hosea,
- Joel,
- Amos,
- Obadja,
- Jona,
- Micha,
- Nahum,
- Habakuk,
- Zefania,
- Haggai,
- Sacharja,
- Maleachi.

in der orthodoxen Kirche

Der Kanon der Orthodoxie umfasst neben dem oben beschriebenen katholischen Kanon:
- ein so genanntes 1. Buch Esra, so dass das hebräische Esra-Buch dann als 2. Buch Esra gilt;
- 2 weitere Bücher der Makkabäer. Diese biblischen Bücher werden anders angeordnet als im Judentum und in den westlichen Kirchen. Sie enthalten außerdem kleine inhaltliche Unterschiede zu deren Bibeln wie einzelne fehlende oder zusätzliche Verse innerhalb einiger Bücher. Diese entstammen der Septuaginta, sind also bereits vorchristlicher Herkunft. Die slawischen Kirchen fügen außerdem noch die Esra-Apokalypse - auch als 2., 3. oder 4. Buch Esras bekannt - hinzu. Die Äthiopische Kirche hat noch mehrere weitere Bücher in ihrem Kanon.

in den evangelischen Kirchen

Die im Protestantismus meist verwendete Lutherbibel übernahm im Wesentlichen den katholischen Kanon. Sie verzichtet aber auf die Zusätze zu Esther und Daniel und die Bücher:
- Tobit,
- Judit,
- Jesus Sirach,
- Baruch,
- 1. Makkabäer,
- 2. Makkabäer. Das evangelische Alte Testament zählt damit 39 Bücher, die ebenso wie die katholische Bibel eingeteilt sind in:
- Gesetzbücher (Pentateuch),
- Geschichtsbücher,
- Lehrbücher,
- große und kleine Propheten. Während die Calvinisten meist nur die kanonischen Schriften abdrucken, enthalten Lutherbibeln oft auch die „deuterokanonischen“ Bücher als Extrateil zwischen Altem und Neuem Testament. Dabei kommt oft noch das sogenannte Gebet des Manasse hinzu. Diese Schriften gelten damit nicht als gleichrangiges Wort Gottes, waren für Luther aber dennoch „nützlich und gut zu lesen“.

Entstehung der Hebräischen Bibel

Ursprache und Urschrift

Die ältesten bekannten Bibeltexte sind in Aramäisch verfasst, das sich seit dem Assyrischen Großreich im ganzen Vorderen Orient verbreitete. Das Hebräische ist daraus weiterentwickelt, wurde aber nicht als Umgangssprache, sondern für die Bibelüberlieferung verwendet. Die ältesten Überlieferungen, die in die Bibel einwanderten, wurden in der Phönizisch-Althebräischen Schrift abgefasst. Diese war die erste bekannte alphabetische Buchstabenschrift, entstanden um 2000 v. Chr. im Raum Syrien-Libanons und bestand aus weniger als 30 Konsonanten ohne Vokale. Seit dem israelitischen Exil im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde sie allmählich von der hebräischen Quadratschrift abgelöst. Beide Schriftarten bestanden noch bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. nebeneinander fort, wobei Althebräisch als besonders heilig galt.

Älteste Handschriften

Das Hebräische eignete sich nicht für Tontafeln, die sonst im Alten Orient in Keilschrift beschrieben wurden. Auch mit sakralen Texten beschriebene Tonscherben (Ostraka) wurden in Israel bisher nicht aufgefunden. Das übliche Schreibmaterial waren handgefertigte Papyrus-, seltener Lederrollen, mit Tinte aus rußigem Olivenöl oder metallhaltigem Vitriol beschrieben. Sie waren ebenso haltbar wie heutiges hochwertiges Papier, blieben aber nur unter günstigen klimatischen Bedingungen erhalten. Die ältesten bekannten biblischen Schriftrollen wurden 1947 bei Qumran gefunden und entstanden etwa 200 v. Chr. Sie enthalten aramäische und hebräische Bibeltexte aus exilisch-nachexilischer Zeit, darunter eine fast 7, 5 Meter lange Rolle des vollständigen Jesajabuchs (66 Kapitel). Sie wichen zur großen Überraschung der Bibelforschung nur minimal von den bis dahin bekannten, 1.200 Jahre jüngeren mittelalterlichen Bibelhandschriften ab, so dass von einer enormen Disziplin bei der generationenlangen Abschrift von Bibeltexten auszugehen ist. Seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. löste Pergament das Papyrus als Schreibmaterial ab: Nun wurde es möglich, mehrere umfangreiche Schriftrollen zu einem „Kodex“ zu bündeln. Der älteste erhaltene hebräische Bibelkodex ist der Codex Cairensis aus 895 n. Chr.; er enthält nur die Bücher der 12 Propheten. Eine erster vollständiger Text der ganzen Hebräischen Bibel liegt vor in der Handschrift B19 (Codex Leningradensis), die 1008 n.Chr. aufgeschrieben wurde. Sie liegt den modernen Urtextausgaben der Biblia Hebraica (Herausgeber Rudolf Kittel) und Biblia Stuttgartensia (Herausgeber Karl Elliger und Wilhelm Rudolph) zu Grunde.

Kanonisierung und Vokalisierung

Nach dem Ende des antiken Staates Israel 70 n. Chr. begann eine Phase der jüdischen Restauration, die um 100 n. Chr. ihren vorläufigen Abschluss fand. Damals wurden die zum Judentum gehörenden Gruppen und Traditionen festgelegt: so auch der biblische Kanon, soweit die Zugehörigkeit einzelner Schriften zur Bibel noch umstritten war (z.B. Daniel). Hinzu kam die seit Rabbi Akiba (55 - 137 n. Chr.) vorherrschende Methode der Bibelauslegung (Exegese). Daraus ergab sich die Notwendigkeit, einen autoritativen Text der Gesamtbibel festzulegen. Der Konsonantentext vor allem der Tora wurde um 135 n. Chr. festgelegt. Dass er dabei alter vorchristlicher, jedoch noch nicht kanonisierter Überlieferung folgte, ist durch die Funde in Qumran und den Papyrus Nash (um 170 v. Chr. entstanden) erwiesen. Doch nun begann die 1000-jährige „Masora“ (philologische Arbeit) der danach genannten „Masoreten“: jüdischen Schriftgelehrten in Palästina - hier besonders in Tiberias - und Babylonien, die mit dem Sammeln und Redigieren von biblischen Handschriften befasst waren. Eine ihrer Aufgaben war auch die Punktuation (Markierung) des festgelegten Konsonantentextes durch Vokalzeichen, Akzente, Satzzeichen und Verseinteilungen. Ferner mussten nach ihren strengen Vorschriften ältere, von der als gültig vereinbarten Textversion abweichende Abschriften vernichtet werden. Die seit dem Mittelalter bekannten Bibelhandschriften beruhen allesamt auf der masoretischen Vereinheitlichung der hebräischen Bibeltexte, so dass man lange Zeit einen „Urtext“ dahinter annahm. Durch Zufallsfunde in einer zugemauerten Geniza (Rumpelkammer) zum Entsorgen überholter Schriftrollen in Kairo (1850) und den Höhlen von Qumran (1947) aber weiß man heute, dass hier überwiegend die palästinensische Tradition erhalten geblieben ist. Vor 135 n. Chr. gab es demzufolge mehrere Versionen der Hebräischen Bibel nebeneinander. Darauf verweisen sowohl die Septuaginta, der samaritanische Pentateuch aber auch die innerbiblischen Paralleltexte mit ihren leichten Abweichungen, z.B. [http://www.bibel-online.net/buch/19.psalmen/18.html Psalm 18,][http://www.bibel-online.net/buch/10.2-samuel/22.html 2. Samuel 22], [http://www.bibel-online.net/buch/23.jesaja/2.html#2,2 Jesaja 2, 2-4] und [http://www.bibel-online.net/buch/33.micha/4.html#4,1 Micha 4, 1-3].

Literarische Bibelquellen

Die ältesten Überlieferungen des Tanachs sind vor allem in den 5 Büchern Moses - dem sogenannten „Pentateuch“ (von griechisch „penta“ = fünf, „teuch“ = Buchrolle) - gesammelt. Sie schildern die Erschaffung der Welt und Urgeschichte der Menschheit bis zur „Erwählung“, Befreiung und Einwanderung Israels in Palästina. Sie sind in Jahrhunderten aus einer Vielzahl verschiedener Stoffe, aus Sagenkränzen, Ortsätiologien, Stammesüberlieferungen und Gesetzeskorpora zusammengewachsen. Diese wurden wohl schon in der Königszeit (ab 1000 v. Chr.), besonders aber der exilischen Zeit (587 v. Chr.) literarisch zu größeren Einheiten verbunden:
- den „Erzväter“-Erzählungen ([http://www.bibel-online.net/buch/01.1-mose/12.html Genesis 12 - 47]),
- der Geschichte vom Auszug Israels aus Ägypten, seiner Wüstenwanderung und Gesetzesoffenbarung am Sinai ([http://www.bibel-online.net/buch/02.2-mose/1.html Exodus]),
- der Besiedlung, Eroberung und Verteidigung („Landnahme“) des verheißenen Landes (Teile von 4. Mose sowie die Bücher Josua und Richter),
- den Urgeschichten ([http://www.bibel-online.net/buch/01.1-mose/1.html Genesis 1 - 11]; siehe auch: Wiege der Menschheit)
- Gesetzessammlungen (Teile von 2. Mose; 3. Mose; Teile von 4. Mose; 5. Mose). Hinzu kamen seit der Königszeit Überlieferungen über die politische Geschichte Israels, die im und nach dem Exil zu größeren Einheiten wie dem „Deuternomischen Geschichtswerk“ verbunden wurden: Dazu gehören das Buch Josua, die Bücher Samuel, Könige und Chronik. Seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. wurden außerdem prophetische Traditionen gesammelt und später entweder in die Geschichtswerke über die Königszeit integriert (Samuel, Nathan, Elia, Elisa) oder zu eigenen profetischen Einzelbüchern zusammengestellt (von Jesaja bis Maleachi). Seit der Regierungszeit Salomos im 8. Jahrhundert, besonders aber in exilisch-nachexilischer Zeit ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden liturgische, poetische und weisheitliche Schriften:
- Gebets-Poesie wie die Psalmen, Spruchweisheit wie die Sprichwörter oder die Liebesgedichte des „Hohenlieds“,
- reflexive Weisheitsliteratur wie die Bücher Kohelet und Hiob. Viele der zu den „Schriften“ gezählten Bücher entstanden nach der Rückkehr eines Teils der exilierten Juden 539 vor Christus (Esra, Nehemia, Ester, Rut). Seit der Makkabäerzeit (etwa 170 v. Chr.) wurde auch apokalyptische Literatur verfasst und später dem Kanon hinzugefügt (Daniel).

Die Rolle der Hebräischen Bibel im Neuen Testament

Als Jesus von Nazaret die Weltbühne betrat, bildete vor allem die Tora (der Pentateuch) schon seit gut 800 Jahren die wichtigste „Heilige Schrift“ des Judentums. Dieses „Wort Gottes“ war auch die Bibel Jesu, des Christus der Christen. Er bezog sich auf sie von Beginn seines Wirkens an und verstand seine Verkündigung als gültige Auslegung des in ihr offenbarten Willens Gottes ([http://www.bibel-online.net/buch/40.matthaeus/5.html#5,17 Matthäus 5, 17]). Seit Jesu Tod und Auferweckung existiert für das Christentum ein „Neues Testament“ (NT). Dieses wurde in Gestalt der urchristlichen Schriften, vor allem der Evangelien und Gemeindebriefe, schriftlich fixiert. Es stellt Leben und Lehre des Juden Jesus Christus als die Erfüllung des Israelbundes dar. Untrennbar von der Hebräischen Bibel bildet das NT mit ihr die Heilige Schrift des Christentums. Der Begriff „Altes Testament“ kommt im NT nicht vor. Er erscheint als Sammelbezeichnung für die Schriften Israels erst im 2. Jh. bei Melito von Sardes. Der Sache nach ist im NT damit aber der „Erste Bund“ (Gottes mit dem Volk Israel, [http://www.bibel-online.net/buch/58.hebraeer/8.html#8,7 Hebr. 8, 7]) im Gegenüber und in unauflösbarer Relation zum „Neuen Bund“(Gottes mit Israel und allen Völkern durch die Selbsthingabe Jesu Christi, [http://www.bibel-online.net/buch/41.markus/14.html#14,24 Mk. 14, 24]) gemeint. Das Attribut „alt“ hat seine Berechtigung ausschließlich in diesem christlichen Selbstverständnis: Danach ist das Verhältnis der beiden Testamente zueinander ein unauflösbares Nacheinander, insofern der Alte dem Neuen Bund Gottes zeitlich und inhaltlich vorangeht. Dies meint jedoch weder im NT selber noch nach späterer kirchlicher Lehre die Veraltung und Ersetzung des Israelbundes, den die Hebräische Bibel bezeugt. Mit dem Erscheinen Jesu Christi ist für Christen kein neues Wort Gottes neben das „alte“ getreten. Sondern dieser „Sohn Gottes“ ist das „fleischgewordene Wort Gottes“ ([http://www.bibel-online.net/buch/43.johannes/1.html#1,14 Jh. 1, 14]) und repräsentiert als solcher die Erwählung Israels zum Volk Gottes, in das von Ewigkeit her die Erwählung der zum Glauben kommenden Menschheit von nun an im „erweiterten Volk Israel“ mit einbeschlossen ist. Insbesondere der Tod und die Auferweckung Jesu Christi hat nach dem Neuen Testament Gottes Willen stellvertretend für alle Menschen erfüllt. Damit hat er die Israel gegebenen Offenbarungen, Bundesschlüsse und Verheißungen endgültig bestätigt, die in Israels Bibel ausgesprochene Verheißung eines „neuen Bundes“ unüberbietbar bekräftigt ([http://www.bibel-online.net/buch/58.hebraeer/8.html#8,8 Hebräerbrief 8, 8] als Zitat von [http://www.bibel-online.net/buch/24.jeremia/31.html#31,31 Jeremia 31, 31-34]) und alle Völker in diesen Bund einbezogen. Person und Werk Jesu Christi verkörpern also für die Christen den „neuen“ Willen Gottes, indem sie seinen „alten“ Willen, die Ersterwählung Israels, endgültig erfüllen und bekräftigen. Für die ganze urchristliche Verkündigung ist daher der durchgängige Bezug auf die Bibel Israels entscheidend. Ohne sie lässt sich die universale Bedeutung Jesu Christi nicht aussagen. Damit hat jedoch für die Christen der eine Wille Gottes, den bereits das „Alte“ Testament offenbart, einen anderen, neuen Stellenwert erhalten: Von nun an gilt dieser Wille nur noch in der Auslegung, die Jesus Christus ihm durch seine Lehre, seinen Tod und seine Auferweckung gegeben hat. Demnach sind alle Einzelgebote in dem einen Gebot Jesu Christi, nämlich dem Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe, „aufgehoben“, diesem untergeordnet ([http://www.bibel-online.net/buch/41.markus/12.html#12,30 Markus 12, 30 - 31]).

Die kirchliche Kanonisierung des Alten Testaments

In der Folge entwickelten sich im Christentum jedoch ganz verschiedene Zugänge und Lesarten des Tanach. Dabei spielte das Verhältnis der beiden Testamente zueinander eine oft umstrittene Rolle. Immer wieder gab es Versuche, die Hebräische Bibel als minderwertig, überholt und nicht mehr gültig abzutun. Parallel zur Entstehung der Kirche versuchte vor allem der Gnostizismus und Marcion die Lehren von der Schöpfung und von der Erlösung dualistisch einander gegenüberzustellen. Damit ging die Abtrennung und Entwertung der Bibel Israels einher. Mit der Kanonisierung der Hebräischen Bibel hat die werdende Kirche bereits im 3. nachchristlichen Jahrhundert allen solchen Versuchen eine entscheidende Absage erteilt. Dabei wurde ein Großteil der Schriften des Tanach als „Altes Testament“, das heißt als vollgültiges Gotteswort übernommen. Damit wurde es theologisch unmöglich, die Lehre Jesu Christi von der Erwählung Israels zu trennen. Die Kirche legte damit selber eine normative Instanz für die Auslegung des Neuen Testaments fest, auf die spätere Reformanläufe in Religion und Politik sich berufen konnten.

Die christliche Abwertung des Alten Testaments und ihre Wirkungen

Dennoch hat die Abwertung des Judentums und seiner Bibel im Christentum verhängnisvolle Folgen gehabt. Denn die Kirche selbst „vergaß“ in ihrer Geschichte die eindeutige Aussage des Paulus ([http://www.bibel-online.net/buch/45.roemer/11.html#11,2 Römer 11, 2.18]): :„Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er sich zuvor erwählt hat...Nicht Du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt Dich!“ Wo die auf das Diesseits bezogenen Hoffnungen und Verheißungen Israels neuplatonisch und allegorisch umgedeutet wurden, dort eignete sich das Christentum zur neuen Herrschaftsreligion des römischen Reiches. Die seit dem 3. Jahrhundert durchgängige christliche Vereinnahmung des Alten Testaments und kirchlich-dogmatische „Enterbung“ des Judentums rief in Krisenzeiten Pogrome an Juden und anderen Minderheiten hervor und rechtfertigte diese während des ganzen europäischen Mittelalters bis weit in die Neuzeit hinein. Mitten im 20. Jahrhundert konnten die „Deutschen Christen“ im deutschen Protestantismus Fuß fassen. Sie versuchten wie Marcion erneut, alles „Jüdische“ aus dem christlichen Glauben auszumerzen und diesen zu einer „Nationalreligion“ umzuformen. Der jahrhundertelange kirchliche Antijudaismus bildete eine der wesentlichen Voraussetzungen für diese Irrlehre und damit auch für das singuläre Verbrechen des Holocaust.

Die Neubewertung des Alten Testaments in der christlichen Theologie

Aus dieser verheerenden Erfahrung erwuchs seit 1945 ein neuer jüdisch-christlicher Religionsdialog. Seit etwa 1960 wurde dieser verstärkt und beflügelte die Diskussion um das Alte Testament, seine Relevanz für die Exegese des Neuen Testaments und den christlichen Glauben in der christlichen Theologie. Schon die historische Forschung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erkannte die Eigenständigkeit der Traditionen Israels, besonders seiner Prophetie und seines Messianismus. Doch erst die unübersehbaren Wirkungen des christlichen Antijudaismus bis hin zur Schoah nötigten die Amts-Kirchen, besonders auch die neutestamentliche Wissenschaft dazu, sich mit einem angeblichen Antijudaismus im Neuen Testament selber auseinanderzusetzen. Dies zog im katholischen Bereich seit dem 2. Vatikanischen Konzil, im deutschen evangelischen Bereich - besonders seit den Kirchentagen der 70er und frühen 80er Jahre - eine Neubewertung des Alten Testaments und Judentums aus politischen Gründen auch in der kirchlichen Dogmatik und Alltagspraxis nach sich. Der rheinische Synodalbeschluss von 1980 zum Verhältnis von Juden und Christen war hier wegweisend. Eine seiner zentralen Einsichten lautete: Hätte die christliche Mehrheit Europas ihre jüdischen Wurzeln wahrgenommen und den „ungekündigten Bund“ Gottes mit Israel ([http://www.bibel-online.net/buch/45.roemer/11.html Römerbrief 11, 2]/Martin Buber) erkannt, dann hätte sie das Doppelgebot der Liebe auch gegenüber der jüdischen Minderheit befolgt und die Gesellschaften Europas Gleiches zu tun gelehrt. Dann hätten Teilnahmslosigkeit und weltweites Desinteresse an Schicksal und Ereignissen, das jüdische Volk insbesondere während des letzten Weltkrieges betreffen