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PhonemPhoneme (selten: Foneme) sind die kleinsten bedeutungsunterscheidenden, aber nicht bedeutungstragenden Einheiten einer Sprache und der wissenschaftliche Untersuchungsgegenstand der Phonologie.
Beispiele für deutsche Phoneme:
:/p/, /t/, /k/ (stimmlose Plosive)
:/m/, /n/, /ŋ/ (Nasale)
:/a:/, /a/, /e:/, /e/ (lange und kurze Vokale)
Phoneme tragen für sich genommen keine Bedeutung, ersetzt man jedoch in einem Wort ein Phonem durch ein anderes, ändert sich die Bedeutung: „Katze“ vs. „Tatze“, „Lamm“ vs. „lang“, „Beet“ vs. „Bett“. Dies ist mit „bedeutungsunterscheidend“ gemeint. Mit Hilfe dieser sogenannten Minimalpaaranalyse lassen sich alle Phoneme einer Sprache systematisch erfassen und identifizieren: Führt das Ersetzen eines Lauts durch einen anderen zu einer Änderung (oder dem Verlust) der Bedeutung des Wortes, können beide Laute unterschiedlichen Phonemen zugeordnet werden. Bei Phonemen handelt es sich jedoch nicht um die Laute selbst, sondern um von den Einzellauten (Phonen) einer Sprache abstrahierte Einheiten. Als solche sind sie keine physischen Laute im eigentlichen Sinn, sondern müssen durch entsprechende Allophone realisiert („hörbar gemacht“) werden.
Zur Notierung von Phonemen bedient man sich im Allgemeinen der Lautschrift-Symbole des Internationalen Phonetischen Alphabets. Dabei handelt sich jedoch lediglich um eine Vereinfachung: Da Phoneme nicht mit den Lauten identisch sind, sondern Positionen innerhalb einer Systematik könnte man im Prinzip jedes beliebige Symbol für ein Phonem verwenden. Zur Unterscheidung werden Phoneme durch Schrägstriche (//) eingefasst, während Phone (die ebenfalls mit den IPA-Symbolen geschrieben werden) in eckigen Klammern notiert werden ([]).
Nicht verwechselt werden dürfen Phoneme mit Graphemen, die in etwa den Buchstaben entsprechen.
Hintergrund
Das Phonemkonzept taucht erstmals in den Arbeiten von Jan Niecislaw Baudouin de Courtenay (1845-1929) auf, wurde aber vor allem durch die Weiterentwicklungen von Nikolai Trubetzkoi (1890-1938) bekannt. Die psychologische Interpretation (siehe unten) geht zurück auf die Arbeiten von Noam Chomsky und Morris Halle.
Die Gesamtheit aller Phoneme wird auch als „Phoneminventar“ bezeichnet, dessen Größe von Sprache zu Sprache teilweise erheblich schwankt. Am Phoneminventar orientieren sich auch die meisten Alphabetschriften, im Idealfall existiert eine 1-zu-1-Zuordnung von Phonemen und Buchstaben.
Phoneme lassen sich anhand ihrer Merkmale klassifizieren. Gibt es ein Merkmal, das zwei Phoneme voneinander unterscheidet, so wird es als distinktives Merkmal bezeichnet. Beispielsweise ist im Deutschen die Stimmhaftigkeit von Plosiven distinktiv: [] und [] entsprechen den Phonemen /p/ und /b/, da sie zur Bedeutungsunterscheidung herangezogen werden können (vgl. „Pass“ vs. „Bass“). Nicht distinktiv ist dagegen die Aspiriertheit von Plosiven. [] und [] sind beides Varianten des Phonems // ([] und [] sind gleichbedeutend). Alternativ kann auch gesagt werden, Stimmhaftigkeit hat „phonemischen Wert“, Aspiriertheit dagegen nicht.
Für manche Phoneme gelten Einschränkungen, was ihre Position anbelangt: Im Deutschen etwa darf // nicht am Wortanfang auftauchen, // nicht am Wortende.
Phoneme als mentale Einheiten
Über die klassische Charakterisierung von Phonemen als abstrakte Einheiten einer systematisierenden Untersuchung von Sprache hinausgehend (Strukturalismus) werden Phonemen häufig auch als mentale Einheiten aufgefasst: Im Laufe des Spracherwerbs erlernt ein Kind, welche phonetischen Merkmale eines Lautes für die Bedeutung eines Wortes entscheidend sind und welche nicht. Die im Zuge dieses Prozesses entstehenden Kategorien werden als mentale Entsprechungen (Repräsentationen) der ursprünglich rein linguistisch definierten Phoneme angesehen. Nach dieser Auffassung haben Phoneme eine eigenständige Existenz im mentalen Sprachverarbeitungssystem eines Sprechers: Das System greift bei der Sprachverarbeitung tatsächlich auf diese Einheiten zurück. (Eine gegenteilige Hypothese wäre etwa die Behauptung, dass durch das Zusammenspiel von gelernten Wörtern und einzelnen Lautwahrnehmungen nur der Eindruck entsteht, Phonemkategorien seien im System am Werk.).
Der Einfluss dieser Phonemkategorien auf die Wahrnehmung lässt sich besonders gut beim Umgang mit einer Fremdsprache beobachten. Phonetische Unterscheidungen, die in der eigenen Sprache keine Rolle spielen, werden vom untrainierten Ohr auch in anderen Sprachen nicht wahrgenommen oder fälschlicherweise ein und demselben Phonem zugeordnet. Beispiel: Das chinesische // wird retroflex gebildet, das chinesische // in etwa wie unser //. Wenn ein Deutscher seinen Laut // ausspricht, wird dieser von Chinesen als // wahrgenommen und nicht als das chinesische retroflexe //.
Unterschiedliche Realisierungen eines Phonems
Gleichgültig, ob man Phoneme als das Ergebnis einer rein linguistschen Systematisierung oder als mentale Entitäten auffasst, in jedem Fall handelt es sich bei ihnen um Abstraktionen einer konkreten lautlichen Äußerung. Dies bedeutet im Gegenzug aber auch, dass sich konkrete Realisierungen von Phonemen (Allophone) erheblich voneinander unterscheiden können und dennoch ein und demselben Phonem zugeordnet werden. So klingt zum Beispiel ein // nach einem // anders als nach einem //, trotzdem handelt es sich um ein einzelnes Phonem. Gründe für mehr oder weniger frei variierende Realisierungen sind vor allem dialektale Unterschiede und Koartikulationseffekte wie im Beispiel sowie ganz allgemein Besonderheiten in der Artikulation eines Sprechers.
Für eine Reihe von Phonemen existieren jedoch phonologische Regeln, die in Abhängigkeit von der lautlichen Umgebung eines Phonems eindeutig festlegen, mit welchem Allophon es zu realisieren ist.
Beispiel: Im Deutschen wird das Graphem , das im Allgemeinen für das Phonem // steht, manchmal im Bereich des harten Gaumens, also palatal artikuliert ([] – „ich“), manchmal aber auch weiter hinten im Bereich des weichen Gaumens ([] – „ach“). Es gilt die Regel, dass [] nur nach /a/, /o/, /u/ und /au/ steht, in allen anderen Fällen steht []. Entscheidend ist also einzig und allein die lautliche Umgebung, inhaltliche Unterschiede zwischen den Wörtern spielen keine Rolle. Bei derartigen sogenannten kombinatorischen Varianten sind beide Allophone zumeist so verteilt, dass dort, wo das eine stehen muss, das andere nicht stehen darf und umgekehrt (komplementäre Distribution).
Führen solche Regeln dazu, dass ein eigentlich distinktives Merkmal seine bedeutungsunterscheidende Funktion verliert, spricht man von Neutralisation. Die sogenannte Auslautverhärtung im Deutschen hat zur Folge, dass alle stimmhaften Phoneme (bspw. //, // und //) am Wortende stimmlos ausgesprochen werden; der in anderen Positionen relevante Unterschied zwischen stimmhaften und stimmlosen Phonemen wird neutralisiert („Bund“ und „bunt“ wird zwar unterschiedlich geschrieben, aber identisch ausgesprochen ([])). Auch Assimilationsprozesse führen häufig zu Neutralisation.
Siehe auch
- Phon
- Phonematische Orthographie
- Morphem
Weblinks
- http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/Udo.L.Figge/texte/phonem.html
Kategorie:Phonologie
ja:音素
ko:낱소리
zh-min-nan:Im-sò·
PhonologieDie Phonologie als Teil der Lautlehre (hier spez. "Sprachgebilde-Lautlehre") ist ein Teilgebiet der Linguistik. Sie untersucht Systeme von Phonemen, den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Elementen von Sprachen. Die Phonologie beschäftigt sich mit den Lauten als Einheiten im System einer Sprache, während sich die Phonetik ("Sprechakt-Lautlehre") mit der detaillierten Beschreibung dieser Laute (Phone) unabhängig von Systemüberlegungen befasst.
Notizen zur Phonologie des Deutschen
Neuhochdeutsche Phoneme sind z. B. /k/, /g/, /ă/, /ā/. Nur verschiedene Phone sind aber z. B. unterschiedliche Aussprachen für das /r/: uvular frikativ (weitestverbreitete deutsche Aussprache) , uvular vibrantisch (französisch, hinten gerollt) und apikal (alveolar) (süddeutsch-italienisch-spanisch, vorne gerollt) .
Mehr zur Phonologie des Deutschen im Artikel Aussprache_der_deutschen_Sprache.
Phoneminventar und Merkmale
Um ein Phoneminventar zu erstellen, bedient man sich u.a. so genannter Minimalpaare - Wörter, die sich nur in einem Laut unterscheiden. Dieser Laut hat dann Phonemstatus.
Beispiel: Kutter und Futter -> /k/ und /f/
Nach Chomsky und Halle ist die phonologische Repräsentation einer Äußerung eine Sequenz von Einheiten, die durch Eigenschaften (Merkmale) gekennzeichnet sind. Die Eigenschaften können entweder vorhanden (+) oder nicht vorhanden (-) sein. Ein Phonem ist ein Bündel von Merkmalen.
Diese werden unterschieden von den Morphemen, die die kleinsten bedeutungstragenden Elemente darstellen.
Zur Darstellung von Phonemen wird ebenso wie in der Phonetik das Internationale Phonetische Alphabet benutzt.
Stichwörter: Silbenstruktur, Neutralisation, Wortakzent, Allophonie, Minimalpaar
Siehe auch: Nikolai Sergejewitsch Trubezkoi
!Phonologie
ja:音韻論
ko:음운론
Deutsche Sprache
Die deutsche Sprache (Hochdeutsch und Niederdeutsch) zählt zur indoeuropäischen Sprachfamilie (in Deutschland abweichend auch indogermanische Sprachfamilie genannt), spezifisch zu den westgermanischen Sprachen.
Geschichte
Hauptartikel: Deutsche Sprachgeschichte
Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunächst alle germanischen Dialekte, die im frühen Mittelalter an der zweiten oder althochdeutschen Lautverschiebung beteiligt waren (alemannisch, bairisch, ost-, rhein-, mittelfränkisch, ostmitteldeutsch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die germanischen Dialekte, die diese zweite germanische Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frühen Neuzeit als niederdeutsche Sprachen (niedersächsisch und niederfränkisch).
Das Wort „teutsch“ (deutsch) bildete sich dabei innerhalb des Lateinischen aus dem germanischen Wort für „Volk“ (thioda, thiodisk) heraus und bezeichnete die Sprache der nicht lateinisch (und nicht romanisch) sprechenden Bevölkerung. Die ältere Bezeichnung „fränkisch“ für die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, nachdem einerseits die westfränkische Oberschicht im späteren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Bayern, die Thüringer und die (Nieder-)Sachsen umfasste.
Da während des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den Nachbarländern in dem Land der Teutschen stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die zum Teil extrem unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her.
Einen ersten Ansatz zu einem überregionalen Ausgleich der Mundarten hat man teilweise in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teilweise das Bemühen der Dichter zu erkennen, nur regional verständliches Vokabular und dialektale lautliche Besonderheiten zu vermeiden, um ein überregionales Verständnis ihrer Werke zu ermöglichen; andererseits muss aber die Breitenwirkung der an den Fürstenhöfen tätigen Dichter zu einer Zeit, als nur eine verschwindend geringe Minderheit der Bevölkerung alphabetisiert war und Zugang zu dieser elitären Kunst hatte, als äußerst gering eingeschätzt werden. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in überregionalen Ausgleichsprozessen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gesehen werden.
Während die Standardsprache in den meisten europäischen Ländern aus dem Dialekt der jeweiligen Hauptstadt hervorgegangen ist, stellt die heutige deutsche Hochsprache (Standardsprache) eine Art „Kompromiss“ zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten südlich der Benrather Linie dar.
Benrather Linie
In Norddeutschland hat sich das Hochdeutsche, vor allem im Gefolge der Reformation als Amts- und Schulsprache gegen das Niederdeutsche (Plattdeutsche/Niedersächsische und Niederfränkische) durchgesetzt. Zur Blütezeit der Hanse fungierte das Niederdeutsche als Verkehrssprache im gesamten Nord- und Ostseeraum. Auch die Niederländische Sprache ist eine niederfränkische und daher niederdeutsche Sprache.
Martin Luther übersetzte 1521 das Neue Testament und 1534 das Alte Testament in die sich damals noch entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache. Die dort verwendete Sprache in einer ostmitteldeutschen Färbung prägte durch die religiöse Bedeutung Luthers ganze Generationen. Es muss aber angemerkt werden, dass Luthers Bedeutung im Hinblick auf die Entstehung der Neuhochdeutschen Schriftsprache lange Zeit überschätzt wurde. Bereits seit dem 14. Jahrhundert bildete sich allmählich eine immer stärker überregional geprägte Schriftsprache heraus, die man auch als Frühneuhochdeutsch bezeichnet. Die Herausbildung der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum Großteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der so genannten Letternhäufelung im 18. Jahrhundert wurde das seitdem in Grundzügen kaum veränderte deutsche Schriftbild abgerundet.
Die Geschichte der deutschen Sprache wird häufig in vier Abschnitte (Sprachstufen) unterteilt:
- 750 – 1050: Althochdeutsch
- 1050 – 1350: Mittelhochdeutsch
- 1350 – 1650: Frühneuhochdeutsch
- ab 1650: Neuhochdeutsch
Johann Christoph Adelung veröffentlichte 1781 das erste große Wörterbuch. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Herausgabe des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1961 vollendet wurde, aber seither einer Überarbeitung unterzogen wird.
Die deutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer deutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde. Erst 1996 kam es zu einer erneuten Rechtschreibreform. Siehe dazu auch Geschichte der deutschen Rechtschreibung.
In der Bundesrepublik Deutschland ist Hochdeutsch:
- nach § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz (BVwVfG) als Amtssprache,
- nach § 5 Beurkundungsgesetz als Sprache für notarielle Urkunden,
- nach § 184 Gerichtsverfassungsgesetz als Gerichtssprache festgelegt.
Besondere Regelungen gelten für die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein sowie für die Sorben in Brandenburg und Sachsen; mittlerweile aber auch für die niederdeutsche Sprache.
In Österreich ist laut Artikel 8. (1) Bundes-Verfassungsgesetz (BVG) die (hoch-)deutsche Sprache, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.
In Liechtenstein ist Deutsch die alleingültige Amtssprache. Es kennt keine Minderheitensprachen.
Hochdeutsch als Amtssprache (neben anderen Sprachen)
- Belgien (mit Französisch und Niederländisch)
- Luxemburg (mit Luxemburgisch und Französisch)
- Schweiz (63 % deutsch) (auf gesamtstaatlicher Ebene neben Französisch, Italienisch und Rätoromanisch; in 17 von 26 Kantonen alleinige Amtssprache, in 4 weiteren Amtssprache neben anderen Sprachen)
- Italien: nur regional in Südtirol (mit Italienisch und Ladinisch; in anderen Regionen: Aostatal: Französisch; Friaul: Slowenisch jeweils mit Italienisch)
- Dänemark: in Gebieten der deutschen Minderheit (Sønderjylland) (neben Dänisch)
- Namibia (seit Juni 1984 mit Afrikaans und Englisch, seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 nicht mehr Amtssprache)
- Russland: Anerkannte Verkehrssprache der deutschstämmigen Bevölkerung in den beiden westsibirischen Nationalkreisen Asowo (Gebiet Omsk) und Halbstadt (Altai-Region).
Deutsch ist zudem eine Amtssprache der Europäischen Union und eine Arbeitssprache der Vereinten Nationen.
Dass Deutsch beinahe Amtssprache der USA geworden wäre, ist ein Gerücht, das auf eine Fehlinterpretation zurückzuführen ist (Mühlenberg-Legende, siehe auch Deutsche Sprache in den USA).
Als Minderheitensprache
- Argentinien 300.000
- Australien 200.000 oder mehr ( 2 Millionen Deutschstämmige)
- Belgien 112.458
- Brasilien (1.900.000)
- Chile (100.000)
- Dänemark 20.000
- Estland 3.460
- Frankreich: von den 1.200.000 potenziell deutschsprachigen Elsässern und Lothringern spricht nur noch ein kleiner Teil den angestammten Dialekt
- Italien 330.000
- Kanada 500.000 oder mehr (2,8 Millionen Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Kasachstan 358.000
- Kroatien 11.000
- Lettland 3.780
- Litauen 2.060
- Moldawien 7.300
- Namibia 30.000
- Niederlande 47.775
- Paraguay 200.000
- Polen 170.000
- Rumänien (70.000.)
- Russland: europäischer Teil (75.000), Sibirien (767.300)
- Slowakei 12.000
- ((Südafrika)) 300.000-500.000 (100.000 Passdeutsche, 1 Million Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Togo
- Tschechien 50.000
- Ukraine 38.000
- Ungarn 145.000
- Vereinigte Staaten von Amerika 6.100.000 , insbes. Pennsylvaniadeitsch s. Kapitel Pennsylvania Dutch
Siehe auch: Deutschsprachige Minderheiten
Als Fremdsprache
Deutsch (Hochdeutsch) wird in vielen Ländern als Fremdsprache gelehrt; in Europa ist es nach Englisch am weitesten verbreitet. Besonders häufig wird Hochdeutsch als Fremdsprache in den Niederlanden, Skandinavien, Baltikum, Slowenien, Kroatien, Polen, Japan, Bosnien und Herzegowina, der romanischen Schweiz, Serbien, Ungarn, Montenegro, Mazedonien und Bulgarien gewählt. Teilweise gilt Deutsch in diesen Ländern als erste Schulfremdsprache und steht damit noch vor dem Englischen. Auch in Weißrussland wird Deutsch oft an Schulen unterrichtet.
In anderen Ländern, so zum Beispiel in Frankreich und den USA, verliert Deutsch zunehmend an Bedeutung gegenüber Spanisch.
In Ostasien (Japan) wurde im 19. und 20. Jahrhundert Deutsch als Medizinsprache verwendet (an Stelle von Latein).
Nach einer Erhebung der Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache, der u. a. das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut angehören, gab es 2000 die meisten Deutschlerner in:
- Russische Föderation: 4.657.500
- Polen: 2.202.708
- Frankreich: 1.603.813
- Tschechien: 799.071
- Ukraine: 629.742
- Ungarn: 629.472
- Kasachstan: 629.874
- Niederlande: 591.190
- USA: 551.274
Deutsch ist heute die nach Englisch am meisten verwendete Sprache im Internet (gefolgt von Französisch, Japanisch, Spanisch und Chinesisch). Mehr als acht Prozent aller Seiten im Internet sind auf Deutsch.
(Internetseiten auf Englisch:Cirka 50 %)
Im Zuge der Kolonialisierung entstand im heutigen East New Britain das so genannte Unserdeutsch, das weltweit einzige Kreoldeutsch. Diese Sprache ist jedoch mittlerweile fast ausgestorben, da die meisten Sprecher auswanderten.
Außerdem haben sich in Papua-Neuguinea bis zu 150 Wörter deutschen Ursprungs in der Sprache Tok Pisin erhalten.
Aussprache
Siehe Aussprache der deutschen Sprache.
Grammatik
siehe dazu deutsche Grammatik
Rechtschreibung
Siehe dazu deutsche Rechtschreibung.
Textsammlungen
Beim Projekt Gutenberg-DE gibt es Texte von über 1000 Autoren. Wikisource enthält mehr als 2000 deutschsprachige Werke.
Siehe auch: Deutsche Literatur, Sprichwörter,
Deutschsprachige Schriftsteller: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Die Einteilung der deutschen Dialekte beruht auf Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. In gleicher Zeit begann die Herausbildung von Umgangssprachen als einer Art Mischform zwischen Standardsprache und Dialekt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängen die Umgangssprachen die alten Dialekte.
- Mitteldeutsch
- Westmitteldeutsch (siehe auch: Fränkische Sprache)
- Mittelfränkisch (Ripuarisch, Moselfränkisch, Luxemburgisch)
- Rheinfränkisch (Pfälzisch, Hessisch)
- Ostmitteldeutsche Sprache
- Thüringisch-Obersächsisch, (Kolonialdialekte)
- Berlin-Brandenburgisch (Mischform mit Ostniederdeutsch)
- Ostmitteldeutsche Dialekte
- Lausitzische Dialekte
- Ermländisch
- Fränkisch im Übergangsbereich zwischen dem Oberdeutschen und Mitteldeutschen (Wird häufig dem Oberdeutschen zugeordnet.)
- Ostfränkisch, umgangssprachlich "Fränkisch"
- Mainfränkisch
- Süd-Rheinfränkisch
- Oberdeutsch
- Alemannisch
- Schwäbisch
- Elsässisch
- Niederalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Hochalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Höchstalemannisch (schweizerdeutsche Dialekte)
- Bairisch
- Südbairisch
- Mittelbairisch
- Nordbairisch
Niederdeutsche Sprachen
- Niederdeutsch
- Niedersächsisch
- Niederfränkisch
Niederdeutsch bzw. die niederdeutschen Sprachen zeigen bedeutende phonologische, morphologische und lexikal-semantische Unterschiede gegenüber den übrigen deutschen Mundarten. Diese Sprachgruppe hat die zweite hochdeutsche Lautverschiebung nicht mitvollzogen.
Das Niedersächsische, das in Deutschland und in den Niederlanden gesprochen wird und gemeinhin in Norddeutschland als Niederdeutsch oder Plattdeutsch (Plattdüütsch) bezeichnet wird (in den Niederlanden als „nedersaksisch”) wird auch als Teil einer niederdeutschen Sprachgruppe aufgefasst.
Mittlerweile hat das Niedersächsische infolge der Sprachencharta des Europarats einen offiziellen Status als Regionalsprache erhalten, weil die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen Niedersächsisch für einen Schutz gemäß Teil III der Sprachencharta angemeldet haben. Vermutlich kann dennoch sein allmähliches Aussterben nicht aufgehalten werden.
Das Niederfränkische lebt weiter im Niederländischen. Auch die ursprünglichen Dialekte am Niederrhein (Kleve, Wesel, Duisburg, Mülheim an der Ruhr) sowie die alten Mundarten im Ostbergischen gehörten dem niederfränkischen Zweig an. Sie sind seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch im Aussterben.
Die Mundarten des Gebietes zwischen der Uerdinger Linie (Ik-/Ich-Linie) und der Benrather Linie (Maken-/Machen-Linie) (Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Neuss) weisen sowohl niederfränkische als auch mittelfränkische Züge auf und sind ein mundartliches Übergangsgebiet zwischen den hochdeutschen und den niederfränkischen Mundarten.
Einflüsse anderer Sprachen auf die deutsche Sprache
Durch ihre zentrale Lage in Europa wurde die deutsche Sprache über die Jahrhunderte durch andere Sprachen beeinflusst. Im Mittelalter und der Zeit davor war es vor allem die lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind viele alltägliche Wörter, vor allem aus Architektur, Religion und Kriegswesen (z. B. Fenster, Keller, Karren, dominieren, Kloster), aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Wissenschaft und Philosophie stark beeinflusst (z. B. Philosophie, Physik, Demokratie, Krypta).
Später war es dann vor allem die französische Sprache, die großen Einfluss auf das Deutsche ausübte. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg an vielen Höfen französisch gesprochen wurde und selbst preußische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch und letzteres, frei nach Voltaire, nur zur Kommunikation mit Soldaten und Pferden gebraucht wurde, kamen vor allem Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (z. B. Boulevard, Trottoir, Konfitüre).
Auch aus den slawischen Sprachen (z. B. Grenze, Pistole), dem Jiddischen und dem Rotwelsch (z. B. Zoff, meschugge, Mischpoke, Schockse) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer.
In Handel, Botanik und Medizin lassen sich auch einige Einflüsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstärkt im Mittelalter beispielsweise durch die Kreuzzüge nach Europa und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltäglichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade lassen sich arabische Einflüsse bzw. Ursprünge nachweisen.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts nahm in Deutschland das Englische zunehmend Einfluss auf die deutsche Sprache (Anglizismen). Diese Entwicklung wird von einigen skeptisch betrachtet. Kritiker bringen vor, es handle sich oftmals (z. B. bei Handy) um Pseudo-Englisch, für das es genügend deutsche Synonyme gebe.
Auch technische Zwänge bei der Synchronisation englischsprachiger Filme üben mittlerweile einen Einfluss auf das Deutsche aus. Um Lippensynchronizität zu gewährleisten, werden Worte und Redewendungen kreiert, die zuvor im Deutschen nicht üblich waren, sich dann aber später in der Umgangssprache durchsetzen (z.B. "Oh mein Gott" statt "Um Gottes Willen" als Übersetzung für "Oh my God"). "Verdeckte" Anglizismen gibt es mittlerweile auch aus anderen Gründen: So ist der heute sehr gebräuchliche Ausdruck "nicht wirklich" die wortwörtliche Übersetzung von "not really" und bedeutet demzufolge soviel wie "eigentlich nicht" – allerdings hat sich der Ausdruck inzwischen verselbständigt.
Eine Sprachpolitik, wie sie unter anderem in Frankreich und Island betrieben wird, um eine Anreicherung der Sprache mit Anglizismen zu unterbinden, findet in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr statt. Gründe hierfür sind möglicherweise in der Sprachpolitik des Nationalsozialismus zu suchen. Andere verwerfen solche Bemühungen unter Verweis auf Joachim Heinrich Campe als Sprachpurismus.
Literatur zu Kontakten der deutschen Sprache
- Johannes Bechert/Wolfgang Wildgen: Einführung in die Sprachkontaktforschung. Darmstadt, Wiss. Buchgesellschaft, 1991
- Csaba Földes: Kontaktdeutsch. Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Tübingen, Verlag Gunter Narr, 2005
- Claudia Maria Riehl: Sprachkontaktforschung. Tübingen, Narr, 2004
Wie das Deutsche in anderen Sprachen heißt
Aufgrund der sehr wechselhaften Geschichte Deutschlands gibt es in den Sprachen der Welt mehr unterschiedliche Formen für den Namen der deutschen Sprache als für die meisten anderen Sprachen der Welt.
Allgemein kann man die Namen der deutschen Sprache aber aufgrund ihrer Herkunft in sechs Gruppen zusammenfassen.
Anmerkung: In der Vergangenheit war im Rumänischen die dem Slawischen entlehnte Form nemţeşte üblich, aber heute wird im Rumänischen vorwiegend das Wort germană benutzt. Das ungarische német ist auch aus dem Slawischen entlehnt, ebenso der Name Österreichs im Arabischen, an-Nimsā (النمسا).
Siehe auch
- Jiddisch
- Rotwelsch
- »BRD-Sprache« und »DDR-Sprache«, Duden als Sprachwächter
- Schweizer Hochdeutsch, Schweizerdeutsch
- Sprachgebrauch in Österreich
- Belgranodeutsch
- Deutschsprachiger Raum
- Institut für Deutsche Sprache
- Gebärdensprache im deutschsprachigen Raum
- Moselromanisch
- Deutsche Sprache in Namibia
- :Kategorie:Deutsche Sprache
- Variantenwörterbuch des Deutschen
- Pennsylvania Dutch, Hutterisch, Texasdeutsch
- Riograndenser Hunsrückisch
- Deutsche Redewendungen
- Studentensprache
- Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen
- Liste der häufigsten Wörter der deutschen Sprache
Weblinks
- [http://www.ids-mannheim.de Institut für deutsche Sprache, Mannheim]
- [http://www.gfds.de/ Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden]
- [http://wortschatz.uni-leipzig.de/index.html Wortschatz der deutschen Sprache]
- [http://www.dwb.uni-trier.de/ Grimm, Deutsches Wörterbuch]
- [news:de.etc.sprache.deutsch Newsgroup zur deutschen Sprache] ([http://groups.google.com/groups?q=de.etc.sprache.deutsch de.etc.sprache.deutsch bei Google], [http://faql.de FAQs zur Newsgroup])
- [http://www.canoo.net/index.html Rechtschreibung mit Online-Prüfung, Grammatik, Morphologie und anderes]
- [http://www.woerterbuch.info/ woerterbuch.info - Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 600.000 Übersetzungen und 125.000 Synonymen]
- [http://www.deutsche-sprachwelt.de Magazin Deutsche Sprachwelt]
Eine Übersicht über die Beiträge in Wikipedia zum Thema Sprache bietet das Portal:Sprache.
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Germanisch
Kategorie:Einzelsprache
!
-
als:Deutsche Sprache
ja:ドイツ語
ko:독일어
ms:Bahasa Jerman
simple:German language
th:ภาษาเยอรมัน
MinimalpaarPhonologisch gesehen bilden zwei Worte oder Ausdrücke ein Minimalpaar, wenn sie unterschiedliche Bedeutung haben und sich dabei nur in einem Phonem unterscheiden.
Beispiele der deutschen Sprache:
: Kind und Rind – /k/ und /r/
: Wand und Wind – /a/ und /i/
: Wand und Hand – /w/ und /h/
: wagen und nagen – /w/ und /n/
: muss und Mus – /u/ und /u:/, siehe Vokalquantität
Daneben gibt es die Unterscheidung aufgrund eines fehlenden Phonems (Nullphonem):
- Bau und Bauch
- ringen und bringen
Beispiele in der englischen Sprache:
:rot und lot – /r/ und /l/
:zeal und seal – /z/ und /s/
:feet und seat – /f/ und /s/
:meal und meet – /l/ und /t/
:dime und time – /d/ und /t/
:rhyme und time – /r/ und /t/
Durch systematische Bildung von Minimalpaaren kann man die Phoneme einer Sprache bestimmen.
Für weitere Erklärungen siehe Phonem.
In der Codierungstheorie findet sich eine Entsprechung
(und Verallgemeinerung) des Minimalpaar-Ansatzes
unter dem Begriff der Hamming-Distanz.
Kategorie:Phonologie
als:Minimalpaar
ko:최소 대립쌍
AllophonEin Allophon ist in der Linguistik die Realisierung eines Phonems. Bei Allophonen handelt es sich also um Phone, welche einem Phonem zugeordnet werden können. Beispielsweise ist das Allophon [] in [] die Realisierung des Phonems /b/ in der Phonemkette /bal/ „Ball“.
Hauptartikel: Phonem
Die Unterscheidung von Allophonen und Phonemen ist erforderlich, da es vorkommen kann, dass ein einzelnes Phonem in unterschiedlichen (allophonischen) Varianten ausgedrückt (realisiert) wird, die teilweise vollständig verschiedenen Lauten entsprechen. Da die Wahl der verschiedenen Varianten nicht zu einem Unterschied in der Bedeutung des Wortes führt, handelt es sich bei diesen Varianten nicht um eigenständige Phoneme. Durch systematische Untersuchung ihrer phonetischen Eigenschaften auf Ähnlichkeit mit anderen Phonemrealisierungen, vor allem aber durch Minimalpaaranalyse können die Laute schließlich als Allophone eines einzigen Phonems klassifiziert werden. Dabei bestimmen dialektale Unterschiede, Koartikulationseffekte oder ganz allgemein die lautliche Umgebung eines Phonems, welche Variante gefordert ist. In jedem Fall ist aber die Frage, durch welches Allophon, bzw. welche Allophone ein bestimmtes Phonem ausgedrückt wird, für jede Sprache einzeln festgelegt: was in der einen Sprache als allophonische Variation eines Phonems gilt, kann in einer anderen Sprache ein eigenes Phonem sein.
Es wird unterschieden:
;Freie Variation
:Mehrere Varianten sind gleichberechtigte Realisationen eines Phonems. So gibt es im Deutschen beispielsweise mehrere Möglichkeiten, den Laut // zu artikulieren: vorne gerollt [] (apiko-alveolar) oder hinten mit Gaumenzäpfchen [] (uvular), Gaumensegel (velar) und hinterem Zungenrücken (dorsal). Die Vertauschung einer Variante durch die andere führt nicht zu einer Bedeutungsänderung, die Phone [] und [] sind Allophone des Phonems //.
;Kombinatorische Variation
:Sie tritt auf, wenn die Varianten eines Phonems komplementär verteilt sind und es eine phonologische Regel gibt, die genau angibt, in welcher lautlichen Umgebung die eine und in welcher die andere Variante auftritt. Das wohl bekannteste Beispiel für kombinatorische Variation im Deutschen ist /x/. Es kann einerseits palatal [] wie in „ich“ (siehe Ich-Laut) oder velar [] (bzw. uvular []) wie in „ach“ (siehe Ach-Laut) ausgesprochen werden. Wie gefordert regelt die lautliche Umgebung, welche Variante zu wählen ist: Nach /a/, /o/, /u/ und /au/ steht [], in allen anderen Fällen [].
Kategorie:Phonologie
ko:이음
Phon (Linguistik)In der Linguistik ist ein Phon (auch: Laut) die kleinste, durch Segmentierung gewonnene Einheit einer konkreten sprachlichen Äußerung. Phone können im Rahmen der Phonetik anhand ihrer artikulatorischen und akustischen Eigenschaften identifiziert und beschrieben werden. Der Ausdruck „Phon“ kennzeichnet also vor allem eine bestimmte, nämlich phonetische Betrachtungsweise auf ein solches minimales Segment.
Diese Betrachtungsweise steht im Gegensatz zu der der Phonologie. Hier werden Phone durch systematisierende Verallgemeinerung als Realisierungen eines Phonems klassifiziert werden. Sie werden dann als Allophone bezeichnet.
In der Linguistik werden Phone im Allgemeinen in eckige Klammern gesetzt und mit den Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets geschrieben: [], [], []
Kategorie:Phonetik
Kategorie:Phonologie
Nikolai TrubetzkoiFürst Nikolai Sergejewitsch Trubetzkoy (ursprünglich russisch Николай Сергеевич Трубецкой/Nikolai Sergejewitsch Trubezkoi; - 15. April 1890 in Moskau; † 25. Juni 1938 in Wien) war ein russischer Linguist und Ethnologe.
Trubetzkoy stammte aus einer alten russischen Adelsfamilie und begann schon früh, sich mit Sprachwissenschaft und Ethnologie zu beschäftigen. Seinen ersten Artikel veröffentlichte er 1905, von 1908-1913 studierte er an der Moskauer Universität und promovierte 1913 mit einer Arbeit "Über die Bezeichnungen des Futurums in den wichtigsten indogermanischen Sprachen". 1916 habilitierte er sich für vergleichende Sprachwissenschaft und Sanskrit. 1917 reiste er in den Kaukasus, wurde 1918 kurzzeitig Professor in Rostow-na-Donu und emigrierte 1920 nach Bulgarien, wo er Dozent für slawische Philologie an der Universität Sofia wurde. 1922 wurde er als Professor an die Universität Wien berufen, 1938 starb er, kurze Zeit nachdem die Gestapo ihn verhört und sein Archiv beschlagnahmt hatte.
Trubetzkoy erweiterte die Sprachwissenschaft um das Teilgebiet der Phonologie. Mit Trubetzkoys Lehrtätigkeit ist in Wien und von Wien aus eine neue Epoche der Sprachwissenschaft angebrochen: Früher wurde Sprache vor allem als geschriebene Sprache interpretiert, die von ihm entwickelte neue Art der Sprachbetrachtung bezog sich zum ersten Mal auf eine funktionslogische Betrachtung der Sprache (Laute, Phoneme).
Siehe auch: Prager Schule, Linguistik, Sprachwissenschaft, Phonologie
Literatur
- Trubetzkoy, Nikolaj S.: Grundzüge der Phonologie (Travaux du Cercle Linguistique de Prague. 7). Prag 1939 [posthum].
Weblinks
- http://www.linguistik-online.de/1_01/VanPottelberge.html - Trubezkois Sprachbundbegriff
Trubetzkoy, Nikolai Sergejewitsch
Trubetzkoy, Nikolai Sergejewitsch
Trubetzkoy, Nikolai Sergejewitsch
AlphabetschriftAls alphabetische Schrift oder Buchstabenschrift bezeichnet man ein Schriftsystem, dem die Phoneme (Laute) einer Sprache als diskrete Zeicheneinheiten zugrunde liegen. Diese Einheiten - meist handelt es sich um etwa 20 bis 40 verschiedene Zeichen - werden als Buchstaben bezeichnet. Sie haben keine semantische Bedeutung und lassen sich in ihrer Gesamtheit in einem Alphabet zusammenfassen.
Jede alphabetische Schrift ist eine phonographische Schrift, deren Prinzip besonders streng von der Lautschrift vertreten wird: ein Zeichen bezeichnet einen Sprachlaut. Den Gegensatz dazu bilden die Silbenschriften, die auf visualisierten Silben (Lautkombinationen) basieren, und die logographischen Schriften, die Zeichen für semantische Einheiten (Begriffe, "Ideen") kennen.
Um etwa 1500 v. Chr. entwickelten im östlichen Mittelmeerraum die Phönizier dasjenige Alphabet, von dem alle späteren Alphabetschriften und mithin alle modernen europäischen Alphabete, einschließlich des griechischen, lateinischen und des kyrillischen, abstammen.
Geschichte und Entwicklung
Die frühesten Einritzungen, hinter denen nach Gimbutas und Haarmann eine Schrift im eigentlichen Sinne zu vermuten sein könnte, stammen aus der alteuropäischen Vinca-Kultur im Raum des heutigen Serbien; Charakter und Interpretation dieser Funde aus dem 6. bis 5. Jahrtausend v. Chr. sind jedoch äußerst umstritten. Die ältesten nachweislichen Schriftfunde stammen aus den Tälern von Euphrat und Tigris (Mesopotamien); dabei handelt es sich zunächst um eine Bilderschrift (ab etwa 3500 v. Chr.) sowie eine Keilschrift, die auf Tontafeln festgehalten wurde:
: „Die ältesten Texte enthalten jeweils nur als Zahlzeichen erkannte Symbole, auf die immer nur wenige Zeichen folgen. Diese zeigen noch einen stark bildhaften Charakter: Jedes Zeichen repräsentiert eine vereinfache Darstellung eines gegebenen Gegenstandes, wobei komplizierte Bilder, wie etwa Menschen in bestimmten Haltungen, bewußt vermieden werden“ (Burkhard Kienast).
Etwas später, um 3200 v. Chr., entstanden die ägyptischen Hieroglyphen, dann um 2300 bis 2000 v. Chr. die akkadische Silbenschrift sowie um 1700 v. Chr. schließlich die phönizische Buchstabenschrift; hier wurden erstmals alle Einzelkonsonanten mit rund 30 Zeichen visualisiert.
Die alphabetische Schrift wurde zwischen 1500 und 1200 v. Chr. von den Phöniziern aus der ägyptischen hieratischen Schrift entwickelt; dabei entstand zunächst eine reine Konsonantenschrift. Die Struktur der semitischen Sprachen (Wort-Radikale aus drei Konsonanten) dürfte diesen Vorgang begünstigt haben.
Ab etwa 900 v. Chr. wurde die alphabetische Schrift von den Aramäern weiterentwickelt. Die Moabiter und palästinischen Phönizier fügten einige Vokalbuchstaben hinzu. Die Hebräer verfügten bereits über Pergament und Papyrus, daher konnten sie eine effizientere Schrift entwickeln (Innis).
Spätestens um 800 v. Chr. übernahmen die Griechen das Alphabet von den Phöniziern. Sie fügten Buchstaben für alle Vokale hinzu, d. h. in Griechenland entstand das erste vollständige phonetische Alphabet, das alle Konsonanten und Vokale visualisierte:
: „Die Griechen steuerten nicht die Vokale bei (ein verbreiteter Irrtum: Vokalzeichen waren bereits in Erscheinung getreten, etwa in der mesopotamischen Keilschrift und in der minoisch-mykenischen Linearschrift B, sondern erfanden den (reinen) Konsonanten. Und damit stellten sie der Menschheit zum ersten Mal eine visuelle Wiedergabe von Sprechgeräuschen zur Verfügung, die ebenso ökonomisch wie erschöpfend war: eine Elemententafel, deren Elemente sich zu unendlich vielfältigen Kombinationen gruppieren lassen, dass mit ziemlicher Genauigkeit jeder nur denkbare Sprachlaut repräsentiert werden kann“ (Als die Muse schreiben lernte).
Um 700 v. Chr. wuchs auch die Verbreitung von Münzen:
: „Die beiden größten Erfindungen des menschlichen Geistes sind die Schrift und das Geld – die Universalsprache des Verstandes und die des Eigennutzes“ (Mirabeau).
Die Öffnung der ägyptischen Häfen für die Griechen im Jahre 670 v. Chr. und die Gründung Naukratis 650 v. Chr. hatten den Zugang für Papyrus erleichtert, was zu einem explosionsartigen Anstieg von lyrischer Dichtung führte (Innis); nach Havelock blieb die Produktion von Texten dagegen bis zum 5. Jahrhundert bescheiden (Als die Muse schreiben lernte).
Zwischen 404 und 403 v. Chr. wurde in Athen das ionische Alphabet übernommen. Durch ein vereinfachtes, flexibles Alphabet und die Zunahme an Schreib- und Lesekundigen rückte logisches Denken und somit allgemeine Übereinkunft in den Vordergrund (Innis).
Eric A. Havelock:
: „Zweifellos hat unter allen Kommunikationssystemen des Menschen das griechische Alphabet eine beispiellose Effektivität bewiesen und eine einzigartige Ausbreitung erfahren“ (Als die Muse schreiben lernte).
Goody merkt dazu an:
: „Die Ursache für den Erfolg des Alphabets [...] hängt damit zusammen, dass seine graphischen Zeichen – und darin unterscheidet es sich von allen anderen Schriftsystemen – Repräsentationen des extremsten und universalsten Beispiels kultureller Selektion sind – des elementaren phonemischen Systems. Die menschlichen Sprechwerkzeuge können zwar eine riesige Zahl von Lauten erzeugen, doch beruhen fast alle Sprachen auf dem formalen Wiedererkennen von nur ungefähr vierzig dieser Laute durch die Mitglieder einer Gesellschaft. Der Erfolg des Alphabets (das gleiche gilt für einige seiner gelegentlichen Schwierigkeiten) gründet darin, dass sein System der graphischen Repräsentation sich diese in allen Sprachsystemen gesellschaftlich konventionalisierte Lautstruktur in allen Sprachsystemen zunutze macht, denn dadurch, daß das Alphabet diese ausgewählten phonemischen Elemente symbolisiert, wird es möglich, alles, worüber die Gesellschaft sprechen kann, ohne Mühe aufzuschreiben und die Schrift ohne Mehrdeutigkeiten zu lesen“.
Vorgeschichte
Die frühesten Zeugnisse einer Schrift werden allgemein den Sumerern (ca. 3500 v. Chr.) zugeschrieben. Sie benutzten logographische Zeichen und eine Keilschrift für Verwaltungszwecke. Bei den älteren Funden der Vinca-Zeichen handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine Schrift. Etwas später, um 3200 v. Chr. entstanden die ägyptischen Hieroglyphen, dann um 2300 bis 2000 v. Chr. die akkadische Silbenschrift.
Die Schwäche der bis um 1500 v. Chr. bekannten Schriftsysteme war ihre Kompliziertheit. Sie waren auf Grund der großen Zahl verschiedener Symbole schwer zu erlernen. Die Keilschrift umfasste bis zu 600 Zeichen, wovon die Hälfte als Silbenzeichen diente. Obwohl die Ägypter ebenfalls schon mit Silbenzeichen operierten, lösten sie sich nicht von den traditionellen Hieroglyphen, von denen zeitweise mehrere Tausend benutzt wurden. Sie verwendeten beides in Kombination.
Die Erfinder der Alphabetschrift
Von wem die erste rein alphabetische Schrift erfunden wurde, lässt sich nicht mehr mit absoluter Sicherheit feststellen. Fakt ist, dass die meisten späteren Alphabetschriften auf die phönizische Schrift (1500 v. Chr.) zurückgehen. Es gilt auch als erwiesen, dass die Erfinder einer semitischen Sprache angehörten. Man spricht daher auch vom „nordsemitischen“ Alphabet.
Die Erfinder kannten die damals gängigen Schriftsysteme, die ihnen als Inspiration gedient haben mögen. So lassen sich Bezüge zur ägyptischen hieratischen Schrift, aber am Beispiel der ugaritischen Schrift auch zu Keilschriften herstellen.
Das erste bekannte Alphabet
Das Neue an dieser Schrift war die Reduktion der Bedeutung der Schriftzeichen auf kleinste bedeutungsunterscheidende Einheiten. Dadurch kam man mit einem vergleichsweise kleinem Satz von nur 22 Zeichen aus. Es wurden zunächst nur Konsonanten geschrieben. (Siehe Phönizisches Alphabet).
Die Formen der Zeichen stellten vereinfachte Abbildungen der mit den Buchstabennamen bezeichneten Gegenstände dar (nach dem Vorbild der Hieroglyphen). Einige Zeichen scheinen dieser These zu widersprechen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Formen möglicherweise Veränderungen erlitten haben und uns weder ihre anfängliche Gestalt noch ihre ursprünglichen Namen überliefert sind. Für einige Zeichen sind auch mehrere Namen belegt (z. B. Nun (Fisch) = Nachasch (Schlange)), was vermuten lässt, dass die Namen im Nachhinein, nach der Form der Zeichen vergeben wurden. Überhaupt darf man annehmen, dass bei der Entstehung eher Pragmatismus als Tradition bestimmend war.
Verwandtschaften
Spätere Alphabete lassen sich alle auf das nordsemitische zurückführen. Die Verwandtschaft offenbart sich dabei nicht so sehr durch die Formen der Zeichen – die können sogar sehr stark von einander abweichen. Denn man bedient sich aus praktischen Gründen der einfachsten Zeichen wie Strich, Kreis oder Punkt (oder man reduziert komplexere Zeichen auf diese). So sind zufällige Ähnlichkeiten zwischen Systemen verschiedener Kulturkreise und Epochen sehr wahrscheinlich. Besseren Aufschluss über die Verwandtschaft geben dagegen die Reihenfolge der Buchstaben in Aufzählungen und ihr Gebrauch in Schriftzeugnissen. Man geht allgemein davon aus, dass alle späteren Alphabete Modifikationen bzw. Nachahmungen des phönizischen Alphabetes sind. Vereinzelt anders lautende Meinungen konnten sich nicht durchsetzen (siehe z. B. Vinca-Schrift, Indus-Schrift).
Die Erfindung setzt sich durch
Semitische Alphabete
Von dem gemeinsamen Vorbild aus entwickelten sich mehrere „altsemitsiche“ Alphabete.
Zum einen die eigentlich phönizische Schrift (Inschriften von Zypern, Malta, Carpentras und auf phönizischen Münzen, nur Konsonanten, mit oder ohne Worttrennung), davon die samaritanische und die altgriechische Schrift. Dann die phönizisch-ägyptische Schrift (auf Mumienbandagen, mit drei Vokalzeichen) und die jüdische Münzschrift.
Zum anderen der aramäische Zweig, die Quadratschrift, die palmyrenische Schrift (ohne Vokale und Worttrennung, mit Ligaturen) die altsyrische Schrift Estrangelo und Kufisch, eine altarabische Schrift.
Verbreitung im Nahen Osten
Im 1. Jahrtausend v. Chr. verbreitete sich das aramäische Alphabet durch das Eindringen der aramäischen Sprache in Assyrien. Aramäische Wörter wurden ins Assyrische übernommen. Es gibt Belege für zweisprachige Texte mit jeweils einer akkadischen und einer aramäischen Fassung. Die Einfachheit des Systems gegenüber dem Silben- und Ganzwortsystem der Keilschrift verhalf dem aramäischen Alphabet zum Durchbruch. Aufgrund der stark gerundeten Zeichen war die neue Schrift nicht für Medien wie Ton geeignet. Deshalb schrieb man auf vergängliche Materialien, weshalb auch die meisten dieser Schriften verloren gegangen sind. Den Anteil gefundener Keilschrift-Dokumente aus dieser Zeit darf man deshalb auch nicht als repräsentativ betrachten (Lit.:Eva Cancik-Kirchbaum: Die Assyrer)
Über Handelswege gelangte das aramäische Alphabet bis nach China, wo die Mongolen ihre Schrift aus der aramäischen entwickelten. Weitere Ableger sind die hebräische, indische, syrische und die arabische Schrift.
Vokale kommen dazu
Schon die ersten Alphabetschriften wurden mit Vokalzeichen ergänzt. Zunächst wurden Aleph, Waw und Jod neben ihrer konsonantischen Bedeutung auch als Zeichen für lange Vokale (a, u, i) gebraucht. Andere Vokale wurden den Konsonanten in Form von Punkten oder Strichen zugeordnet. Mit der Übernahme der semitischen Alphabete in andere Sprachen wurden diese durch Vokalbuchstaben ergänzt. Einige Systeme stellten die Vokale durch kleine Modifikationen an den Konsonanten dar, wodurch diese in gewissem Sinne wieder zu Silbenzeichen wurden (z. B. die äthiopische Schrift, die aber von einem griechischen Vorbild stammt). Siehe auch zum inhärenten Vokal in der indischen Schrift.
Alphabet der Griechen
Die Griechen übernahmen das nordsemitische Alphabet samt den semitischen Namen etwa 1100 v. Chr.. Sie erweiterten es um zwei Zeichen und deuteten einige Zeichen ihrer Sprache entsprechend um. Einige Zeichen wurden zu Vokalen. Während die Schreibrichtung zunächst nicht festgelegt war, setzte sich 500 v.u.Z. die Schreibrichtung von links nach rechts durch.
Ursprung der indischen Alphabete
Zwischen 800 und 600 v. Chr. entwickelte sich nach einem ostaramäischen Vorbild die Brahmi-Schrift, der Vorfahre der indischen Alphabetschriften oder Abugidas.
Europa
Aus dem griechischen Alphabet entwickelte sich das etruskische, aus diesem wiederum das oskische, umbrische und römische Alphabet.
Durch die römischen Eroberungen und die Verbreitung der lateinischen Sprache setzte sich das römische Alphabet in Westeuropa durch, wozu es an die jeweiligen Sprachen angepasst wurde.
Die seit dem 3. Jahrhundert belegte Runenschrift wird entweder auf die von italischen Stämmen in den Ostalpen verwendetete nordetruskische Schrift und das lateinischen Alphabet zurückgeführt oder als Schöpfung eines germanischen Volkes angesehen, das im heutigen Böhmen lebte. Bei letzterem wird wohl das Prinzip der Alphabetschrift vom lateinischen Alphabet her bekannt gewesen sein.
Das kyrillische Alphabet stammt vom griechischen ab. Es wurde um 900 von griechischen Missionaren entworfen, die die Slawen zum Christentum bekehrten.
Systematik der Alphabetschriften
Hinsichtlich ihres Bezugs zur Phonologie lassen sich die alphabetischen Schriften nach ihrer Lauttreue wie folgt einteilen:
Keine Kultur hat eine vollständige phonetische Schrift entwickelt; die einzigen funktionierenden phonetischen Schriftsysteme wurden künstlich entwickelt, beispielsweise das IPA. Ein Schriftsystem auf Basis des phonetischen Prinzips wäre als Gebrauchsorthographie unbrauchbar.
Literatur
- David Sacks: Letter Perfect: The Marvelous History of Our Alphabet From A to Z, ISBN 0767911733 (auf Englisch)
- David Sacks: The Alphabet, ISBN 0099436825
- Eric A. Havelock: The Muse Learns to Write: Reflections on Orality and Literacy from the Antiquity to the Present. New Haven (Conn.), 1986 (dt. Übers. Als die Muse schreiben lernte. Frankfurt 1992)
- Eric A. Havelock: The Literate Revolution in Greece and it's Cultural Consequences. Princeton N. J., 1982 (dt. Übers. Schriftlichkeit. Das griechische Alphabet als kulturelle Revolution. Weinheim 1990)
- Burkhard Kienast: Keilschrift und Keilschriftliteratur, in: Frühe Schriftzeugnisse der Menschheit, ISBN ?
Siehe auch
- Schrift
- Geschichte der Schrift
- Alphabetisches Monopol
- Oralität und Literalität
- Aufschreibesystem
- Medientheorie, Mediologie und Kulturwissenschaft
- Stenografie
Weblinks
- [http://www.typolexikon.de/s/schriftgeschichte.html Schriftgeschichte]
- [http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~sk/soemz03/schrift.html Schrift und Verschriftlichung]
Kategorie:Alphabet
Kategorie:Schrift
Distinktives MerkmalEin distinktives Merkmal ist eine Eigenschaft von sprachlichen Objekten. Der Begriff wurde ursprünglich von Roman Jakobson für phonologische Einheiten eingeführt. So ist in Bezug auf das Merkmal Stimmhaftigkeit der Laut d merkmalhältig (auch merkmalhaft), während der Laut t merkmallos ist. Jakobson stellte in der Phonologie ein System von binären Merkmalen auf, mit denen jeder Laut beschreibbar ist.
Der Begriff Merkmal ist in der Computerlinguistik mehrdeutig, neben distinktiven Merkmalen gibt es auch sprachliche Merkmale in den sog. Merkmalstrukturen.
Kategorie:Linguistik
Plosiv
Plosiv (auch Plosivlaut, Explosiv(laut)) werden die Konsonanten genannt, bei deren Artikulation der Atemluftstrom vollkommen blockiert wird; durch die sofort darauf folgende Wiederfreisetzung des sich angestauten Luftstroms entsteht eine kleine „Explosion“, die den Klang erzeugt. Die Benennung erfolgt also nach der Artikulationsart.
In älterer Literatur ist noch die Bezeichnung Explosiv(laut) statt Plosiv anzutreffen, Letztere geht auf den englischen Einfluss zurück. Die traditionellen Bezeichnungen sind dennoch weiterhin gebräuchlich.
Es können folgende Plosive gebildet werden:
Die Plosive, die Affrikaten und die Nasale bilden gemeinsam die Klasse der Okklusiven (Verschlusslaute).
Literatur
- Ladefoged, Peter; & Maddieson, Ian. (1996). The sounds of the world's languages. Oxford: Blackwell Publishers.
Links
http://www.phonetik.uni-muenchen.de/SGL/SGLKap2.html#Plosive spektrale Eigenschaften von Plosiven
ja:閉鎖音
ko:파열음
Aspiration (Phonetik)Aspiration bedeutet in der Phonetik, dass ein Laut, meist ein Plosiv, von einem hörbaren Hauchgeräusch begleitet wird. In der Aussprache Norddeutscher sind alle stimmlosen Plosiven, also p, t, k, aspiriert.
Links
[http://www.phonetik.uni-muenchen.de/SGL/SGLKap2.html#Plosive| spektrale Eigenschaften von Plosiven]
Kategorie:Artikulationsart
ja:有気音
ko:격음
StrukturalismusDer Strukturalismus ist eine Forschungsmethode der Geisteswissenschaft, besonders der Linguistik, der Literaturwissenschaft, der Psychoanalyse, der Psychologie, der Soziologie und der Anthropologie. Außerdem war der Strukuralismus eine wichtige Strömung in Kunst und Architektur, insbesondere in den 1950er bis frühen 1970er Jahren.
Grundprinzipien
Der Strukturalismus beruht auf der Grundannahme, dass Phänomene nicht isoliert auftreten, sondern in Verbindung mit anderen Phänomenen stehen. Diese Verbindungen gilt es aufzudecken; genauer gesagt bilden die Phänomene einen strukturierten (strukturierbaren) Zusammenhang. Dabei wird die Struktur jedoch durch den Beobachter in einem Modell konstruiert. Die Struktur existiert also nicht auf der Ebene der Wirklichkeit, sondern nur auf der Ebene des Modells.
Ein Strukturalist geht in der Regel wie folgt vor:
# Der Bereich des Beobachtbaren wird eingeteilt in strukturell beschreibbare und strukturell nicht beschreibbare Phänomene; nur erstere sind Gegenstand strukturalistischer Analysen.
# Die beschreibbaren Phänomene werden segmentiert.
# Zwischen den Segmenten wird ein Zusammenhang (re-)konstruiert. Dabei ist unter Umständen eine den Segmenten zugrunde liegende weitere (abstraktere) Beschreibungsebene anzusetzen, auf der wieder eine Segmentierung ihrer Entität möglich ist.
Entstehung
Der Strukturalismus geht auf den Genfer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure zurück, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Vorlesungen über Allgemeine Sprachwissenschaft hielt (Cours de linguistique générale), in denen er die Grundlage für eine neue Methode schuf. Seine Vorlesungen wurden erst posthum 1916 veröffentlicht, gelten aber wegen ihres neuartigen Ansatzes, naturwissenschaftliche Prinzipien auf einen vermeintlich geisteswissenschaftlichen Bereich wie den der Sprachwissenschaft anzuwenden, als wahrlich revolutionär und bis heute maßgebend für alle möglichen sprachwissenschaftlichen und semiotischen (zeichenwissenschaftlichen) Teildisziplinen. Die strukturalistische Methode ist in Disziplinen wie der Linguistik, der Anthropologie oder der Psychoanalyse weithin anerkannt. Dagegen waren und sind Versuche umstritten, die Methode auf alle kulturwissenschaftlichen Disziplinen auszuweiten (beispielsweise auf die Literaturwissenschaft durch Tzvetan Todorov und Roland Barthes oder auf die Filmwissenschaft durch Christian Metz).
Als Beispiel für die Zweckmäßigkeit der strukturalistischen Methode sei hier die Erarbeitung des Lautschriftsystems der IPA/API (International Phonetic Association/Association phonétique internationale) genannt. Ausgangspunkt der Überlegungen war, dass sich sämtliche menschlichen Sprachäußerungen einem System unterordnen lassen, das aus einer feststellbaren Anzahl von Konsonanten (gegliedert nach Artikulationsart und -ort) und Vokalen (gegliedert nach Stellung der Sprechwerkzeuge und dem sich gleichzeitig ergebenden Atemausstoß) besteht. Hinzu kommen die sog. Halbvokale, die den Bereich einnehmen, wo die Grenze zwischen Konsonant und Vokal fließend ist. Diesen Kategorien Konsonant, Halbvokal und Vokal wurden sämtliche denkbaren Sprachlaute zugeordnet (mit den dazugehörigen, unabdingbaren diakritischen Zeichen - denn kein Mensch spricht einen Laut zweimal auf dieselbe Weise aus), und den Lauten dann lateinische, griechische u.a. Buchstaben eindeutig zugeordnet ("Lautschrift"). Es wurden also gesprochene Laute für "strukturell beschreibbar" erklärt, sie systematisch beobachtet (siehe oben, Schritt 1), sie segmentiert (Schritt 2) und ein Zusammenhang zwischen ihnen konstruiert (Konsonant–Halbvokal–Vokal-Schema mit seiner inneren Gliederung, Schritt 3).
Der Strukturalismus erhebt tatsächlich den provozierenden Anspruch, Sprach-, Zeichen- und Kulturphänomene mit naturwissenschaftlicher Exaktheit zu beschreiben. Dieses Verfahren wurde in der Folge auf kulturelle Phänomene aller Art übertragen und zu differenzierten Analysetechniken weiterentwickelt. In allen Fällen wird versucht, die analysierten Phänomene mit einer Art "Gitternetz" zu erfassen, in dem jedes Element durch die Merkmale, Korrelationen und Oppositionen bestimmt ist, die sich aus dem Verhältnis der Elemente untereinander ableiten lassen. Nachdem der kulturbezogene Strukturalismus totgesagt war (etwa seit 1980), wirkten die strukturalistischen Methoden v.a. in der Semiotik und Literaturtheorie fort. Beziehungen bestehen auch zur Systemtheorie und zur Psychoanalyse.
Siehe auch: Poststrukturalismus, Regulationstheorie
Strukturalismus in der Soziologie
Vor allem hat hier der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss mit ethnosoziologischen Materialien wichtige Beiträge zur Struktur von Familie und Clan vorgelegt und deren allgemeine Anwendbarkeit eröffnet (vergleiche auch Schwiegermutter (Soziologie)).
Als Antwort zum Strukturalismus wurde der Dekonstruktivismus vom Philosophen Jacques Derrida entwickelt.
Kategorie:Wissenschaftstheorie
Kategorie:Struktur
Kategorie:Linguistik
Kategorie:Sprachphilosophie
ja:構造主義
ko:구조주의
SpracherwerbSpracherwerb ist ein Forschungsgegenstand der Linguistik und der Entwicklungspsychologie. Zwei Gebiete werden erforscht:
- Der Prozess, mit dem Kleinkinder eine erste Sprache ("Muttersprache") oder mehrere Erstsprachen parallel erwerben: Erstspracherwerb
- Der Prozess, mit dem ältere Kinder und Erwachsene eine Fremdsprache - außerhalb des Landes, in dem sie gesprochen wird, in der Schule - erlernen:
- Der Prozess, in dem ungesteuert eine Zweit- oder Drittsprache in natürlichen Umgebungen, im Land, in dem sie heimisch sind, erworben wird (z.B. von Migranten): Zweitspracherwerb
Spracherwerb bei Kindern
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden materialreiche Datensammlungen und Beschreibungen von Kindersprache gemacht (wichtiger Klassiker: Clara und William Stern 1928). Gegenwärtig existieren verschiedene Theorien zum Spracherwerb bei Kindern:
Nativismus
wichtigster Vertreter: Noam Chomsky
Der Nativismus geht davon aus, dass Sprache sich aus angeborenen, universellen sprachlichen Kategorien entwickelt, d.h. jeder Mensch bringt eine genetische Ausstattung zum Spracherwerb mit. Diese so genannte Universalgrammatik beinhaltet Prinzipien, die dann beim Erwerb einer Einzelsprache durch das kleine Kind parametrisch festgelegt werden (z.B. ob in der zu erwerbenden Sprache ein pronominales Subjekt realisiert werden muss (Deutsch) oder nicht (Italienisch)). Einen "Sprachinstinkt" nimmt Steven Pinker an. Bislang ist nur ein für die Artikulation zuständiges Sprachgen ("FoxP2") gefunden worden.
Behaviorismus
wichtigster Vertreter: Burrhus Frederic Skinner
Nach Skinner unterliegt der Erwerb der Sprache denselben Gesetzmäßigkeiten wie der Erwerb jeden anderen Verhaltens. Sprache ist zunächst kontingenzgeformt, d.h. sie wird durch Bedingungen in der Umwelt des Kindes geformt. Der Erwerb der Sprache ermöglicht in der Folge das regelgeleitete Verhalten, durch das das Individuum z.T. von der unmittelbaren Kontrolle durch Umweltkontingenzen unabhängig wird.
Skinner stellte diesen behavioristischen Ansatz in dem 1957 erschienen Buch "Verbal Behavior" dar (vgl. Literatur). Das Buch wurde durch Noam Chomsky (Nativist) 1959 besprochen, diese Rezension wird in der Psycholinguistik als "Widerlegung" des Skinnerschen Ansatzes betrachtet. Chomskys Kritik an "Verbal Behavior" bezieht sich jedoch kaum auf den dort dargestellten verhaltensanalytischen Ansatz und ist selbst Gegenstand der Kritik (vgl. Weblinks).
Kognitivismus und Konstruktivismus
wichtigster Vertreter des Kognitivismus: Jean Piaget
Im Rahmen des Kognitivismus wird versucht, die Entwicklung der Intelligenz als stufenweise Weltkonstruktion zu beschreiben. Spracherwerb wird verstanden als eine besondere Art des geistigen Lernens auf der Grundlage der Symbolfunktion. Piaget ist der Meinung, dass Sprache ein Moment der Gesamtentwicklung beim Kind ist (wie Denken, Handeln, Urteilen, etc.), das sich nicht isoliert für sich betrachten lasse, sondern immer in Auseinandersetzung mit der Welt und mit dem Weltbild des Kindes gesehen werden müsse. Dabei gehe das Denken der Sprache voraus. Die Kognition kann im symbolischen Gefüge der Sprache Ausdruck finden. Lew Wygotski hat den Sprach- und Begriffserwerb gesellschaftlich verankert und gezeigt, wie aus der "egozentrischen Sprache " (Piaget) des kleinen Kindes die Denksprache wird. Der modernen Hirnforschung entspricht die Vorstellung der Konstruktion eines Netzwerks gut.
Interaktionismus und Pragmatik
Wichtige Vertreter sind Jerome Bruner, Catherine Snow und Michael Tomasello, der von der Primatenforschung kommt.
Spracherwerb wird in dieser Theorie auf die Interaktion zwischen Eltern und Kind begründet. Bezugspersonen entwickeln ein Supportsystem, mit dem sie den Spracherwerb in relevanten Situationen stützen (z.B. beim Versteckspiel den Zugang zu Dingen und sie bezeichnenden Ausdrücken).
Im Konstruktivismus baut sich die Sprachkompetenz auf der Basis von Datenextraktion auf. Michael Tomasello sieht die Sprachgenese im Kontext kultureller Entwicklung. Wesentlicher Aspekt ist dabei, dass menschliche Partner ein Handlungssystem und ihre Intentionen teilen können "Shared Intentions" sind eine Grundlage für das spezifisch menschliche Sprachverhalten.
Mehrsprachiger Spracherwerb bei Kindern
wichtigste Vertreterin: Els Oksaar
Ein besonderer Zweig der Spracherwerbsforschung gilt den Kindern, die mit mehreren Sprachen (Muttersprache, Vatersprache, Umgebungssprache(n)) gleichzeitig aufwachsen. Das kann durch verschiedensprachige Elternteile und/oder durch Unterschied zwischen der Sprache zuhause und in Schule/Kindergarten entstehen. In den Industrieländern werden die meisten Kinder einsprachig erzogen; da hier auch der Schwerpunkt der Forschung liegt, wurde die Mehrsprachigkeit bei Kindern lange vernachlässigt. Global haben aber bis zu 70% aller Menschen zwei Muttersprachen.
Els Oksaar hat gezeigt, dass die Erziehung in zwei oder noch mehr Muttersprachen nicht, wie volkstümlich oft angenommen, die sprachliche Entwicklung des Kindes behindert ("dann kann es keine richtig"), sondern dass alle bis zum Alter von sechs Jahren erlernten Sprachen zu einer Muttersprache werden, unabhängig davon, wieviel "Konkurrenzsprachen" das Gehirn gleichzeitig lernen muss.
Literatur
- J.S. Bruner: Wie das Kind sprechen lernt. Bern 1987, Huber
- W. und J. Butzkamm: Wie Kinder sprechen lernen. Tübingen 1999, Francke
- N. Chomsky: Probleme sprachlichen Wissens. Weinheim 1988/1996, Beltz
- N. Chomsky. (1959): Verbal Behavior by B.F. Skinner. Language, 35 (1), 26-58.
- P. Fletcher/B. MacWhinney (Hrsg.): The Handbook of Child Language. Oxford 1995, Blackwell
- G. Klann-Delius: Spracherwerb. Stuttgart 1999, Metzler
- J. Piaget: Sprechen und Denken des Kindes. Düsseldorf 1923/1972, Schwann
- S. Pinker: Der Sprachinstinkt. München 1996, Kindler
- B.F. Skinner: Verbal Behavior. New York 1957, Appleton
- C./W. Stern: Die Kindersprache. Leipzig 1928, Barth
- M. Tomasello: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denken. Frankfurt 2003, Suhrkamp
- M. Tomasello: Constructing a language. Cambridge 2003, Harvard University Press
- L.S. Wygotski: Denken und Sprechen, Frankfurt 1969, S. Fischer
- W. Bleyhl: Psycholinguistische Grund-Kenntnisse. in: Bach, Gerhard, Johannes-Peter Timm (Hrsg.): Englischunterricht. Tübingen und Basel³ 2003, S. 38-55, Francke
Siehe auch
- Sprache
- CHILDES
- Onomatopoietikon
Weblinks
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/249059.html Babys lernen abstrakte Worte schon im ersten Lebensjahr]
- [http://cogprints.org/1148/00/chomsky.htm Chomskys (1959) Artikel online]
- [http://www.verhalten.org/grundlagen/chomsky.html Kritik an Chomskys Kritik]
- [http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=2299 Deutscher Bildungsserver: Sprachentwicklung systematisch begleiten]
Kategorie:Entwicklungspsychologie
Kategorie:Psycholinguistik
Kategorie:Kognitionswissenschaft
Phonetik (innerer Teil der Lippen) 3. dental (Oberkieferzähne) 4. alveolar (Zahndamm) 5. post-alveolar (zwischen Zahndamm und hartem Gaumen) 6. prä-palatal (vorderer Teil des harten Gaumens) 7. palatal (harter Gaumen, Palatum) 8. velar (weicher Gaumen/Gaumensegel, Velum) 9. uvular (Gaumenzäpfchen, Uvula) 10. pharyngal (Rachen, Pharynx) 11. glottal (linke Stimmlippen) 12. epiglottal (Epiglottis) 13. radikal (Zungenwurzel) 14. postero-dorsal (hinterer Teil der Zunge) 15. antero-dorsal (vorderer Teil der Zunge) 16. laminal (Zungenblatt) 17. apikal (Zungenspitze) 18. sub-laminal (Unterseite der Zunge)]]
Die Phonetik, als Teil der Lautlehre, ist die Lehre der von Menschen hervorgebrachten Laute. Man unterscheidet die:
- artikulatorische Phonetik („Sprechakt-Lautlehre“), die untersucht, welche Laute und wie die Laute beim Sprechen durch die menschliche Stimme erzeugt werden,
- akustische Phonetik, die die physikalische Natur der Schallwellen untersucht, die die Laute bilden, und
- auditive Phonetik, deren Forschungsgebiet die Vorgänge beim Empfang der Laute im menschlichen Ohr sind.
Wenn man nur von Phonetik spricht, ist meistens die artikulatorische Phonetik gemeint.
Um die verschiedenen Laute einheitlich für alle Sprachen darzustellen, wurde ein spezieller Zeichensatz entwickelt, das Internationale Phonetische Alphabet (IPA). Dieses enthält ein Symbol für jeden Laut jeder Sprache.
Mit den Lauten als Bestandteil eines Sprachsystems beschäftigt sich die Phonologie.
Siehe auch
- Sprechwissenschaft
- Artikulation (Linguistik)
- Sprechtechnik
- Sonagramm
- Lautschrift
- Phonogramm
- Auslautverhärtung
Weblinks
- [http://www.uiowa.edu/~acadtech/phonetics Phonetik:Amerikanisch-Englisch, Deutsch, Spanisch als flash-Animation bei der University of Iowa]
- [http://www.unil.ch/ling/english/phonetique/table-eng.html Online-Phonetik-Kurs] (frz. und engl)
- http://www.coli.uni-sb.de
- http://www.phonetik.uni-muenchen.de/ (Einige Web-Skripten)
!Phonetik
ja:音声学
ko:음성학
AllophonEin Allophon ist in der Linguistik die Realisierung eines Phonems. Bei Allophonen handelt es sich also um Phone, welche einem Phonem zugeordnet werden können. Beispielsweise ist das Allophon [] in [] die Realisierung des Phonems /b/ in der Phonemkette /bal/ „Ball“.
Hauptartikel: Phonem
Die Unterscheidung von Allophonen und Phonemen ist erforderlich, da es vorkommen kann, dass ein einzelnes Phonem in unterschiedlichen (allophonischen) Varianten ausgedrückt (realisiert) wird, die teilweise vollständig verschiedenen Lauten entsprechen. Da die Wahl der verschiedenen Varianten nicht zu einem Unterschied in der Bedeutung des Wortes führt, handelt es sich bei diesen Varianten nicht um eigenständige Phoneme. Durch systematische Untersuchung ihrer phonetischen Eigenschaften auf Ähnlichkeit mit anderen Phonemrealisierungen, vor allem aber durch Minimalpaaranalyse können die Laute schließlich als Allophone eines einzigen Phonems klassifiziert werden. Dabei bestimmen dialektale Unterschiede, Koartikulationseffekte oder ganz allgemein die lautliche Umgebung eines Phonems, welche Variante gefordert ist. In jedem Fall ist aber die Frage, durch welches Allophon, bzw. welche Allophone ein bestimmtes Phonem ausgedrückt wird, für jede Sprache einzeln festgelegt: was in der einen Sprache als allophonische Variation eines Phonems gilt, kann in einer anderen Sprache ein eigenes Phonem sein.
Es wird unterschieden:
;Freie Variation
:Mehrere Varianten sind gleichberechtigte Realisationen eines Phonems. So gibt es im Deutschen beispielsweise mehrere Möglichkeiten, den Laut // zu artikulieren: vorne gerollt [] (apiko-alveolar) oder hinten mit Gaumenzäpfchen [] (uvular), Gaumensegel (velar) und hinterem Zungenrücken (dorsal). Die Vertauschung einer Variante durch die andere führt nicht zu einer Bedeutungsänderung, die Phone [] und [] sind Allophone des Phonems //.
;Kombinatorische Variation
:Sie tritt auf, wenn die Varianten eines Phonems komplementär verteilt sind und es eine phonologische Regel gibt, die genau angibt, in welcher lautlichen Umgebung die eine und in welcher die andere Variante auftritt. Das wohl bekannteste Beispiel für kombinatorische Variation im Deutschen ist /x/. Es kann einerseits palatal [] wie in „ich“ (siehe Ich-Laut) oder velar [] (bzw. uvular []) wie in „ach“ (siehe Ach-Laut) ausgesprochen werden. Wie gefordert regelt die lautliche Umgebung, welche Variante zu wählen ist: Nach /a/, /o/, /u/ und /au/ steht [], in allen anderen Fällen [].
Kategorie:Phonologie
ko:이음
Gaumen, 6 Gaumensegelmandel]]
Der Gaumen (lat. Palatum) ist bei den höheren Wirbeltieren die obere Wand oder die Decke der Mundhöhle, wodurch diese von der Nasenhöhle und bei den Säugetieren auch vom Rachen geschieden ist. Sie ist ein Widerlager für die Zunge und hat dadurch große Bedeutung bei der Nahrungsaufnahme.
Knöcherne Grundlage
Der eigentliche oder harte Gaumen wird von den Gaumenplatten gebildet, die sich vom Oberkiefer aus in die Tiefe der Mundhöhle erstrecken und aus den waagerechten Teilen beider Oberkiefer- und Gaumenbeine, also aus vier durch Nähte miteinander verbundenen Knochenteilen, bestehen.
Harter Gaumen
Der harte Gaumen (lat. Palatum durum) ist von einer gut durchbluteten (dichte Venengeflechte), drüsenhaltigen Schleimhaut überzogen, die bei Tieren meist pigmentierte Gebiete aufweist. Die Gaumenschleimhaut geht vorn und seitlich in das Zahnfleisch über.
Die Schleimhaut des Gaumens besitzt Querleisten, die Gaumenstaffeln (lat. Rugae palatine). In der Mittellinie ist die Verwachsungslinie der während der embryonalen Gaumenbildung verschmelzenden Gaumenfortsätze auch bei Erwachsenen als Gaumennaht (Raphe palati) mehr oder weniger gut sichtbar.
Am vorderen Ende des Gaumens befindet sich eine kleine Erhöhung, die Papilla incisiva, auf der der Ductus incisivus mündet.
Bei den Fischen, Amphibien, Schlangen und Eidechsen können hier außerdem noch Zähne angebracht sein, deren Anzahl und Stellung für die systematische Zoologie von Bedeutung ist.
Weicher Gaumen
Zum Rachen hin setzt sich der harte Gaumen bei Säugetieren in das Gaumensegel (lat. Velum palatium, auch weicher Gaumen, lat. Palatum molle) fort.
Kategorie:Verdauungsapparat
ArtikulationsortDer Artikulationsort (die Artikulationsstelle) bezeichnet in der Phonetik jene relativ unbeweglichen Stellen im Mundraum, die für die verhältnismäßig beweglichen Artikulationsorgane (Zunge, Unterlippe, Glottis) das Bewegungsziel bei der Artikulation von Sprachlauten darstellen.
Zwischen Artikulationsort und -organ wird eine Engstelle oder ein Verschluss gebildet, wodurch ein konsonantischer Laut entsteht. Im weitesten Sinne bezeichnet man auch die Engstelle ebenfalls als Artikulationsort.
Artikulationsorgane
Laute können nach Artikulationsorten unterschieden werden:
- Ein Labial (exolabial, endolabial) wird an den Lippen gebildet. Genauer gesagt: die bewegliche Unterlippe bildet eine Enge oder einen Verschluss an der Oberlippe, der Artikulationsstelle.
- Ein Dental wird mit den Zähnen (lat. dentes) gebildet.
- Ein Alveolar wird am Zahndamm, den Alveolen gebildet.
- Ein Postalveolar wird hinter dem Zahndamm gebildet.
- Ein Palatal wird am vorderen, harten Gaumen (lat. palatum durum) gebildet.
- Ein Velar wird am Gaumensegel (lat. velum palatinum) gebildet.
- Ein Uvular wird unter Beteiligung des Gaumenzäpfchens (lat. uvula) gebildet.
- Ein Pharyngal wird im Rachenraum Pharynx gebildet.
- Ein Epiglottal wird an der Epiglottis gebildet.
- Ein Glottal wird an der Stimmritze, der Glottis gebildet.
Durch Angabe der Artikulationsart, dem Artikulationsort, dem Artikulator und dem Vorhandensein und Nichtvorhandensein von Stimme lassen sich
Konsonanten einigermaßen hinreichend beschreiben:
das englische th in "thing" ist beispielsweise ein stimmloser, apiko-dentaler Frikativ, d.h. ein stimmloser Reibelaut, der durch Annäherung der Zungenspitze (apiko) an die Zähne gebildet.
Siehe auch: Artikulation, Artikulationsart
!
ja:調音部位
ko:조음 위치
StimmhaftigkeitStimmhaft ist ein Begriff der Phonetik und beschreibt, welche Rolle die Stimmbänder bei der Aussprache eines Lautes spielen. Stimmhaft bedeutet, dass die Stimmlippen sich fast verschließen, sodass sie schwingen. Stimmhaft ist das Gegenteil von stimmlos.
Stimmhafte Laute sind in den meisten Sprachen die Sonoranten: Vokale sowie Nasale ([, , ]), Liquiden ([, ]) und Approximanten ([, , ]). In vielen Sprachen gibt es auch stimmhafte Obstruenten ([, , , , , ]).
Im Deutschen kommen stimmhafte Obstruenten nur in den mittleren und nördlichen Varietäten vor, während in den südlichen Varietäten alle Obstruenten stimmlos sind. Daher spricht man beim Deutschen oft nicht von stimmhaften und stimmlosen Obstruenten, sondern von Lenis und Fortis.
Wenn man beim Sprechen eines stimmhaften Lauts die Hand an den Kehlkopf hält (beispielsweise beim Mau im Wort Maus), dann verspürt man eine Vibration, und wenn man sich die Ohren zuhält, dann hört man ein Dröhngeräusch. Beim stimmlosen s im Wort Maus ist beides nicht der Fall.
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Siehe auch: Stimmlosigkeit, Lenis, Fortis
Kategorie:Phonetik
ja:有声音
ko:유성음
Phon (Linguistik)In der Linguistik ist ein Phon (auch: Laut) die kleinste, durch Segmentierung gewonnene Einheit einer konkreten sprachlichen Äußerung. Phone können im Rahmen der Phonetik anhand ihrer artikulatorischen und akustischen Eigenschaften identifiziert und beschrieben werden. Der Ausdruck „Phon“ kennzeichnet also vor allem eine bestimmte, nämlich phonetische Betrachtungsweise auf ein solches minimales Segment.
Diese Betrachtungsweise steht im Gegensatz zu der der Phonologie. Hier werden Phone durch systematisierende Verallgemeinerung als Realisierungen eines Phonems klassifiziert werden. Sie werden dann als Allophone bezeichnet.
In der Linguistik werden Phone im Allgemeinen in eckige Klammern gesetzt und mit den Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets geschrieben: [], [], []
Kategorie:Phonetik
Kategorie:Phonologie
MorphemEin Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit einer Sprache mit einer Inhalts- und Formebene. Es lässt sich auch als kleinste semantisch interpretierbare Konstituente eines Wortes bezeichnen. Es handelt sich um abstrakte Einheiten die durch primäre Artikulation bzw. Segmentation (aktiver Prozess der Worterkennung, der den konstanten Sprachstrom in einzelne Wörter unterteilt) gewonnen werden.
Morpheme werden verbal als Phonemfolgen, schriftlich als Graphemfolgen realisiert. Diese Phonem- oder Graphemsequenzen repräsentieren das Morphem in bestimmten Umgebungen, sie tragen keine eigene Bedeutung, sondern haben als Bausteine der Morpheme nur bedeutungsdifferenzierende Funktion. Somit können Morphe als Repräsentationseinheiten und ein Morphem als eine Klasse äquivalenter Morphe bezeichnet werden.
Herkunft
Der Begriff Morphem kommt aus dem amerikanischen Strukturalismus und wurde von Leonard Bloomfield allgemein bekannt gemacht.
Klassen
Man unterscheidet die Morpheme nach ihrer Stellung im Satz in freie und gebundene Morpheme, und nach ihrer Funktion in lexikalische und grammatische Morpheme.
Ein freies Morphem kann als eigenes Wort selbständig in einem Satz stehen, ein gebundenes Morphem ist immer an ein freies gebunden und kann nicht als Wort fungieren.
Die lexikalischen Morpheme oder Lexeme bilden die Stämme oder Wurzeln der Wörter, stellen also sozusagen das Grundinventar der Wörter einer Sprache dar. Die grammatischen Morpheme oder Grammeme hingegen bilden keine Wörter, sondern verändern diese gemäß der grammatischen Regeln und geben grammatische Informationen wieder. Grammatische Morpheme werden weiter unterteilt in derivative (diese ändern die Wortklassen) und flexive (die die Beugung der Wörter darstellen). Zudem werden auch die Artikel, Präpositionen und Konjunktionen zu den grammatischen Morphemen gezählt.
Eine eigene Klasse bilden die unikalen Morpheme. Sie kommen nur in einer einzigen Kombination vor und haben keine eigene Bedeutung.
Der französische Sprachwissenschaftler André Martinet verwendet dagegen Morphem als Bezeichnung für gebundene Morpheme, als Oberbegriff für Lexem und Morphem verwendet er Monem.
Beispiele
- frei, lexikalisch: Schrank, Mensch, Liebe Diese Morpheme können als selbständige Wörter im Satz stehen und haben eine Bedeutung.
- frei, grammatisch: der, in, aber Auch diese Morpheme stehen als selbständige Wörter im Satz, aber sie haben keine eigene Bedeutung. Sie haben eine grammatische Funktion, und man kann ihnen eine Bedeutung zuordnen, aber diese Bedeutung ist immer abhängig von einem lexikalischen Morphem.
- gebunden, unikal: Him(beere), Brom(beere) Him- und Brom- haben keine Bedeutung oder Funktion. Sie kommen ausschließlich in dieser einen Kombinat | | |